Maybebop – Weniger sind mehr: Die A-cappella-Band aus Hannover macht alles zu viert

VERÖFFENTLICHUNG» 02.08.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Der A-cappella-Boom ist ungebrochen. Nach Basta und den Wise Guys haben auch Maybebop nun ein Majorlabel gefunden, auf dem ihr neues Album „Weniger sind mehr“ erscheint. Die Sänger sind entgegen der landläufigen A-cappella-Fünfköpfigkeit nur zu viert unterwegs, worauf sich vermutlich auch der Albumtitel bezieht. Countertenor Jan Bürger, Tenor Lukas Teske, Bariton Oliver Gies und Bass Sebastian Schröder – mehr braucht es nicht, um einen Wohlklang ohne Instrumente zu erzeugen. Die nötigen Beatbox-Elemente übernimmt in diesem Fall der Tenor gleich mit. Chorsängern in Deutschland dürfte auch der Name Oliver Gies sehr bekannt sein, da er nicht nur die Songs für Maybebop komponiert und arrangiert, sondern es inzwischen auch viele Veröffentlichungen aus seiner Feder gibt, die landauf landab von Gruppen aller Art gesungen werden.

Was die Band auszeichnet ist die große Bandbreite, die sie in ihrer Musik zeigen. Und damit meine ich nicht nur die unzähligen Coverversionen, die sich im Netz finden lassen. Für ihr neues Album haben die vier jungen Männer wieder ausschließlich eigenes Material verwendet. Mal abgesehen von Goethes „Erlkönig“, dem man im gleichnamigen Track ein interessantes musikalisches Gewand mit sehr düsteren Klängen verpasst hat.

Die Songs schwingen zwischen Pop und Rock, bieten Balladen, Anleihen an die 70er Jahre und sogar hochmoderne Dubstep-Rhythmen. Und man kann versichert sein, dass auch bei solchen Songs alle Geräusche mit dem Mund erzeugt werden. Der Opener „Im Moment ist alles richtig“ lässt das Album optimistisch starten und gibt die Idee vor: polyphone Melodielinien und eine basslastige Basis. So geht’s munter mit „Alles in den Genen“ weiter – einem selbstironischen Stück, das dazu aufruft, den inneren Schweinehund zu überwinden. Sehr rockig und funky wird dieser Song auch live hervorragend funktionieren.

Ich persönlich bin ein großer Fan von Balladen wie „Kleiner grauer Falter“, „Liebesbrief“ und „So bin ich ohne dich“. Doch auch die Lustig-Fraktion kommt mit Stücken namens „Esst mehr Insekten“ und „In zehn Jahren“ nicht zu kurz. Ganz stark wird es, wenn bei „Nimm mich mit“ die Dubstep-Rhythmen ertönen. Hier werden auch Musikprofis unter Umständen drauf schwören, dass diese Klänge elektronisch erzeugt sind. Spannend klingen zudem die Rap-Passagen von „Beim nächsten Mal“ und die Feel-Good-Sommerhymne „Fahrgefühl“.

Maybebop beweisen mit diesem Album, dass sie im A-cappella-Genre ganz oben stehen und sich vor der Konkurrenz aus Köln, Münster und Ansbach nicht verstecken müssen. Hannover rules! Es gibt einige Alben von Maybebop, die ich nicht gerne höre. Vor allem ihre jazzlastigen Tracks sind so gar nicht nach meinem Geschmack. Doch „Weniger sind mehr“ bietet wirklich alles, was ein modernes A-cappella-Album haben muss. Durchgängig gut anzuhören und ohne Ausfall. Meine Empfehlung!