Meat Loaf zelebriert auch auf der „Guilty Pleasure Tour“ seine alten Hits

VERÖFFENTLICHUNG» 05.10.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Mit „Bat Out Of Hell“ haben Meat Loaf und Jim Steinman ein zeitloses Album geschaffen, das auch über dreißig Jahre nach seiner Entstehung nichts von seinem Esprit verloren hat und zu Recht zu den meistverkauften Alben der Musikgeschichte gehört. Die Kollaboration des genialen Musikers und des stimmgewaltigen Sängers ist ein Wechselspiel von inniger Zusammenarbeit und tiefer Zerstrittenheit. Jede Phase, in der beide sich wieder zusammenrauften, führte zu riesigen Erfolgen – auch wenn der Megahit „Bat Out Of Hell“ mit dem gigantischen Titeltrack sowie den beiden Epen „You Took The Words Right Out Of My Mouth“ und „Paradise By The Dashboardlight“ nicht mehr zu toppen war.

So sieht es auch viele Jahrzehnte später so aus, dass Meat Loaf vor allem seine alten Hits zelebriert. Hinzu kommen Songs aus der „Rocky Horror Picture Show“ – dem Film, der Meat Loafs Bekanntheitsgrad in ungeahnte Höhen trieb. Und natürlich „Anything For Love“, das der Zusammenarbeit mit Jim Steinman in den 90ern eine Wiederauferstehung bescherte. Was dazu stets auffällt: Die aktuellen Alben spielen auf den Live-Konzerten kaum eine Rolle. Von „Hell In A Handbasket“ beispielsweise ist ein kümmerlicher Song im Set. Die Zuschauer wollen nun mal das alte Material hören – und das bekommen sie auch in gut 120 Minuten Länge und mit einer Version von „Paradise By The Dashboardlight“, die sich gewaschen hat.

Meat Loaf lebt von Beginn an die pure Theatralik. Wer ihn einmal live erlebt hat, weiß, dass darin seine große Stärke liegt. Selbst heute, da die stimmlichen Fähigkeiten merklich nachlassen, macht er Vieles durch sein pathetisches und hochemotionales Auftreten wett. Er gibt den Vampir-Darsteller und den fanatischen Prediger zugleich. Düster, dämonisch, mit ausschweifenden Bewegungen und immer ganz im Mittelpunkt der Show. Und wenn er nicht alle Töne trifft, stört sich niemand dran. Patti Russo reißt als kongeniale Duettpartnerin vieles raus und auch der Backgroundgesang übertüncht so manche Schwäche. Das stört niemanden. Der Gesamteindruck zählt – und das schmückende Beiwerk wie eine überdimensionale Fledermaus und die Riesen-Gummipuppe mit sexueller Aussagekraft.

Mitgeschnitten wurde vor 10.000 sitzenden Zuschauern im Sydney Entertainment Center. Doch Meat Loaf holte die Menschen stets aufs Neue von den Sitzen. Das wird im DVD-Format mehr als deutlich. Zehn der dreizehn Songs gibt es auch auf CD für den weiter gehenden Hörgenuss. Und als Bonus findet sich eine Film-Doku über die (noch laufende) Tour sowie ein schmächtiges Booklet mit einigen Fleischklops-Anekdoten. Wichtig ist die Musik – und Meat Loafs Charisma. Das hat er unbestritten.