Michael Jackson und sein neues, posthumes Album „Xscape“ – ein starkes Stück Musik

VERÖFFENTLICHUNG» 09.05.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Es war quasi „angedroht“, dass noch viel unveröffentlichtes Material von Michael Jackson in den Archiven lagert und sukzessive auf den Markt gebracht wird. Dieses Phänomen hatten wir auch schon bei Ikonen wie 2Pac und Freddie Mercury und dort ist nicht nur Schlechtes dabei rausgekommen. Also warum nicht?

Sony Music waren erstmals 2010 tätig und damals gab es das Album „Michael“. Die Veröffentlichung erfolgt also in kleinen Dosen und mit gewissem zeitlichem Abstand. Macht Sinn, vor allem weil man sich für den neuen Release einige namhafte Produzenten mit an Bord geholt hat. Allerdings finden sich diesmal nur acht Songs auf dem Album. Da wir wissen, dass die Archive mehr her geben, ist das schon etwas dürftig.

Als Executive Producer zeichnet L.A. Reid für „Xscape“ verantwortlich, der nach ursprünglichen Recherchen in den Jackson-Archiven vom Michael Jackson Estate uneingeschränkten Zugang zu jenen Schätzen erhielt, auf denen die kompletten Vocals der letzten vier Jahrzenten enthalten sind. Reid fungierte als Kurator der finalen Liste von Aufnahmen, die an die Produzenten gegeben wurde, um die Produktionen zu überarbeiten und mit einem frischen, aktuellen Sound zu versehen – und gleichzeitig darauf zu achten, Michael Jacksons künstlerische Essenz und Integrität zu bewahren. Diesen Prozess bezeichnet Reid als „contemporizing“. Als einen der Hauptproduzenten wählte er Timbaland, der über die notwenige Expertise und  Erfahrung für eine derartige Aufgabe verfügt. Darüber hinaus arbeiteten die Erfolgsproduzenten Rodney Jerkins, Stargate, Jerome Jroc Harmon und John McClain an den Stücken.   Der Song „Xscape“ wurde von Michael Jackson und Rodney Jerkins geschrieben und ist das einzige Stück auf dem Album, das von jenem Produzenten vollendet wurde, der es ursprünglich gemeinsam mit Michael aufgenommen hatte. Ansonsten spürt man deutlich den Einfluss von Timbaland, der nun mal ein Händchen für moderne Popmusik hat und die Akzente an den richtigen Stellen setzt. Ja – „Xscape“ ist ein hervorragendes Album geworden. So, als sei der King of Pop auferstanden, um ein letztes Mal seine Fans zu beglücken. Das Werk ist schlüssig, durchdacht und in seiner Gesamtheit ganz homogen. Es enthält alle Zutaten eines guten Jackson-Albums. Während „Michael“ noch ein Schnellschuss war, hat man „Xscape“ den Geist und die Ideen des Interpreten mitgegeben.

Deutlich wird das, wenn man die Deluxe Edition vorliegen hat und sich die Originalaufnahmen anhört. Michael Jackson war in vielerlei Hinsicht Perfektionist und er hat hier einige Titel aufgenommen, die als B-Seite durchaus schon bestehen könnten. „Love Never Felt So Good“ stammt aus den frühen 80ern, „Loving You“ könnte zu „Bad“ passen und „A Place With No Name“ sowie „Blue Gangsta“ geben den Michael der 90er Jahre gut wieder.

Auf „Slave To The Rhythm“ kommen Michaels typische Juchzer so richtig durch und der Titelsong „Xscape“ ist nun mal ein hervorragender Dance-Kracher. „Do You Know Where Your Children Are“ mit seinem einfühlenden Text ist regelrecht bezaubernd. Im direkten Vergleich mit Michaels Demo-Aufnahmen könnten oft die Originale gewinnen. Das spricht für Michaels Stärke. Was Timbaland und Co. geleistet haben, ist die Schaffung eines in sich stimmigen Albums, das die Songs aufeinander aufbauen lässt.

Die acht Remix-Titel beanspruchen 35 Minuten Albumlänge. Durch die Originale und die Version von „Love Never Felt So Good“ featuring Justin Timberlake wird das Werk auf 75 Minuten ausgedehnt. Also schon genügend Musik fürs Geld. Zudem enthält die Deluxe Edition eine DVD mit Dokumentation zur Entstehung des Albums, die aber nichts Essentielles bietet.

[amazonButton]Hier kannst Du „Xscape“ bestellen[/amazonButton]