Milow besingt das Gute im Menschen und sieht Silberstreifen am Horizont

VERÖFFENTLICHUNG» 28.03.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Vor einigen Jahren war der Belgier Milow alias Jonathan Vandenbroeck zwar ein in den Benelux-Ländern erfolgreicher Sänger und Songwriter, aber für den Rest der Welt relativ unbedeutend. Dann nahm er eine akustische Version des Hip-Hop-Titels „Ayo Technology“ auf und wurde quasi über Nacht zum internationalen Star.

Zum Glück hat ihn dieser Aufstieg auf der Karriereleiter weder persönlich noch in seinem künstlerischen Schaffen verändert. Er ist weiterhin ein wundervoller Geschichtenerzähler und schreibt Songs im akustischen Format, die große Sogwirkung besitzen, in die Tiefe gehen und in denen er sein Innerstes preis gibt. Sein Konzept ist sehr interessant: „Ich stelle mir vor, alles wäre vorbei, und ich schreibe Songs, um der Welt zu zeigen, dass sie falsch lag.“ Ein solches Vorgehen erklärt die melancholische und zugleich optimistische Ausrichtung der meisten Stücke.

„Learning How To Disappear“ ist ein mitreißender Opener und leitet kraftvoll über zu „Echoes In The Dark“, einem Duett mit der 22jährigen Courtney Marie Andrews aus Seattle. Im Zusammenspiel sind der Belgier und die Amerikanerin sehr sphärisch und das Ergebnis wirkt verträumt und zerbrechlich.

Mich beeindruckt die Leichtigkeit, mit der Milow seine Songs meist im akustischen Gewand vorträgt. Er ist ein perfekter Geschichtenerzähler – und er erzählt die Stories so, dass man dem Inhalt während des Hörens folgen kann. In gutem Englisch und mit klarer Stimme, die nicht elektronisch umspielt wird. Ein erstes Lieblingsstück für mich ist das melodische „We Must Be Crazy“ mit eingängiger Gesangslinie und sauberen höhen Tönen. Ein Song, der einfach ein Stück Sommer in sich trägt.

Sehr fröhlich erklingt die Straßenmusiker-Attitüde von „Against The Tide“ und man wünscht sich, Milow mit diesem Song in der heimischen Fußgängerzone zu begegnen. Dann folgt mit „Wind Me Up“ das in vielerlei Hinsicht stärkste Stück des Albums. Da ist zunächst die Textzeile „She’s the queen of silver linings“, die dem Album den Titel gab. Der Song ist sehr virtuos in mehrstimmigen Passagen arrangiert und steigert sich in einen atmosphärischen Rausch mit den Vocals im Vordergrund und punktuell eingesetzten Bläsern im Background. Großartig! Jeder Song lebt zudem von Milows akustischer Gitarrenarbeit, seiner starken Stimme und bisweilen ausgiebig eingestreuten orchestralen Einsätzen.

Milow hat in den vergangenen Jahren bereits bewiesen, dass er kein One-Hit-Wonder ist, sondern ein Künstler, der Musik machen tatsächlich als Beruf versteht und sich seinen Erfolg ehrlich verdient. Mit „Silver Linings“ präsentiert er nun erneut ein großartiges neues Album, das alle Fans begeistern wird. Leider ist es mit gut 35 Minuten Länge sehr kurz geraten. Wer mehr Milow braucht, kann zur Deluxe Edition mit Bonus-Live-CD greifen.

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MILOW on Tour:

06. Juni – Wolfhagen / Kulturzelt
18. Juli – München / Tollwood
19. Juli – Salem / Schloss Salem
24. August – Hanau / Schloss Phillippsruhe
27. August – Bochum / ZFR

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