Miriam Bryant – Raised In Rain: Eine starke Stimme kämpft sich durch überambitionierte Arrangements

VERÖFFENTLICHUNG» 08.11.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Mit ihrer ersten eigenen Single „Finders Keepers“ machte Miriam Bryant 2012 auf YouTube auf sich aufmerksam. Inzwischen wird die gebürtige Schwedin mit britischen und finnischen Wurzeln in ihrer Heimat bereits als Newcomerin des Jahres 2013 gehandelt und ihr Debütalbum „Raised In Rain“ erscheint nun auch in Deutschland.

Die 21-jährige Sängerin verfügt über eine kraftvolle Soulstimme und ein beachtliches Songwriter-Talent. Leider werden die überambitionierten Arrangements bei den meisten Songs des Albums ihren Fähigkeiten nicht gerecht. Ob in „Last Soul On Earth“, „Push Play“ oder im Titelsong „Raised In Rain“ – überall zerstören irgendwann elektronische Beats die Atmosphäre oder Miriams eindringlicher Gesang wird von künstlich klingenden Streichern überdeckt. Selbst das anfänglich unglaublich starke „Finders Keepers“ bleibt nicht von unnötigen Effekten verschont und „Etched In Stone“ wirkt am Ende nur noch wie ein mittelmäßiger Dancetrack.

Vom „A Cappella Song“ hatte ich mir angesichts des Titels eine Ausnahme erhofft, aber auch hier nervt eine eindeutig elektronische Begleitung, die wohl atmosphärisch sein soll, aber eher verstört. Beinahe bei jedem Song wäre weniger mehr gewesen und so bleibt ein enttäuschender Gesamteindruck. Schade, denn es gibt durchaus starke Momente, etwa im Refrain von „Alone Isn´t Lonely“ oder am Ende von „Bleeding Out“. Auch die Texte haben eine erstaunliche emotionale Tiefe, die man jedoch nur selten wirklich erfassen kann.

Miriam Bryant hat als Künstlerin großes Potential, aber meiner Meinung nach sollte sie den Produzenten wechseln. Eine akustische Version von „Raised In Rain“ hätte die Chance auf die Höchstwertung– so bleibt es bei wohlwollenden sechs Sternen.