Mrs. Greenbird legen ein fluffig-leichtes Debütalbum „Mrs. Greenbird“ vor!

VERÖFFENTLICHUNG» 21.12.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Normalerweise mache ich einen extrem weiten Bogen um die scheinbar unendliche Suche nach dem nächsten deutschen Popstar, Superstar, der „Voice Of Germany“ oder wie die bis zum Kotzreiz ausgelutschten Castingformate noch so alle heißen. Da ist es mittlerweile spannender einem frisch gestrichenen Lattenzaun beim Trocknen zuzuschauen. Trotzdem blieb ich vor einiger Zeit bei „X-Factor“ hängen. Grund war der Auftritt von Mrs. Greenbird alias Sarah Nücken und Steffen Brückner. Einen ersten Pluspunkt sammelte das Duo, weil es aus Köln-Nippes kommt. Den zweiten mit seinem symphatischen, bescheidenen und authentischen Auftreten und den dritten schließlich mit dem Siegersong „Shooting Stars & Fairy Tales“. Zugegeben, Neo-Folk ist gerade sowieso schwer angesagt, aber die beiden hatten was. Da konnte man selbst über die Tatsache hinwegsehen, dass die unsägliche Frontfrau der Guano Apes, Sandra Nasic, als ihre Mentorin auftrat.

Als „Goldkehlchen und der Mann mit Hut“ sorgte das ungleiche Lebens- und Musikerpaar schon im Vorprogramm von niemand geringerem als Tim Robbins für Aufsehen. Dass nach dem Erfolg bei „X-Factor“ und noch rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft das erste Album folgen würde war absehbar. Es heisst wie Mrs. Greenbird selbst und trotz all der kommerziellen Hektik ist es kein Schnellschuss geworden. Es ist vielmehr ein zartes und berührendes Album. Elf Songs, die mit ihrer von Hand gemachten Spielfreude und der Mischung aus Folk, Pop und Country anstecken. Immerhin haben Mrs. Greenbird bereits sechs Jahre Live-Erfahrung in den Knochen und das hört man ihnen an.

Aufgrund der Kürze der Zeit fanden neben einigen Eigenkompositionen des Duos auch ausgewählte Coverversionen den Weg auf „Mrs Greenbird„. Zur letztgenannten Kategorie zählen etwa die fast bis zur Unkenntlichkeit neu interpretierten „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones oder „Creep“ von Radiohead. Neben „Falling Slowly“, „It Will Never Rain Roses“ und natürlich „Shooting Stars & Fairy Tales“ ist „Blitzkrieg Bop“ der vierte Song mit dem Mrs. Greenbird aktuell in den deutschen Singlecharts vertreten sind. Und das Album hält weitere mal romantische, mal fluffig-leichte Momente bereit, auch unter Einsatz von E-Gitarre und Schlagzeug, stets wunderbar untermalt von der glasklaren Stimme Sarah Nückens. „Mrs Greenbird“ würde besser zu einem Picknick in trauter Zweisamkeit auf einer sonnenüberfluteten Blumenwiese passen als zur momentanen vorweihnachtlichen Frostperiode.

Irgendwie wollen Mrs. Greenbird nicht so recht in das übliche Casting-Klischee passen. Ihre Musik hat einen hohen Wiedererkennungswert und das ohne viel Tamtam. Es ist ihnen zu wünschen, dass sie ihren eigenen Weg fortsetzen können und nicht irgendwann als abgehalfterte B-Promis im „Dschungelcamp“ enden wie so manche ihrer Vorgänger. Eines steht jetzt schon fest: Sollte uns am kommenden Freitag wie von den Mayas vorausgesagt tatsächlich der Weltuntergang drohen, so machen ihn Mrs. Greenbird mit ihrem Debütalbum zumindest um eine gute Portion schöner.