Mumford & Sons legen mit „Babel“ Folkrock-Zündstoff nach!

VERÖFFENTLICHUNG» 21.09.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Die vier britischen Folkrocker Marcus Mumford, Ben Lovett, Winston Marshall und Ted Dwane machten sich mit ihrer energiegeladenen Musik bereits lange vor Veröffentlichung ihres Debütalbums „Sigh No More“ (2009)  einen Namen, so durften sie sogar ein Jahr nach ihrer Bandgründung schon auf dem Glastonbury Festival 2008 auftreten. Ihr Erfolg lodert seitdem wie ein offenes Feuer, vor allem durch ihre mitreißenden Live-Performances konnten sie die Herzen ihres Publikums rund um den Globus im Sturm erobern und dem Folk international ein neues Gesicht geben. Millionenfach verkaufte Alben, Spitzenpositionen in UK/US-Albumcharts, weltweit ausverkaufte Konzerte und Headline Shows bei unzähligen Festivals ließen ihnen wenig Zeit, um neue Songs zu schreiben, weshalb viele ihrer Stücke des zweiten Albums sogar auf Tour entstanden sind. Mit „Babel“ legen sie nun ordentlich Brennstoff nach, die Flammen schlagen nun sogar weiter und höher. Dafür sorgte die erneute Zusammenarbeit mit Produzent Markus Dravs (u.a. Arcade Fire, Coldplay, Björk), der auch schon ihrem Debüt „Sigh No More“ zum Erfolg bei den BRIT Awards 2011 in der Kategorie „Best British Album“ und der Nominierung bei den Grammy Awards verholfen hatte.

Die erste Single-Auskopplung „I Will Wait“ war der euphorische Vorbote für das bemerkenswerte neue Album, meines Erachtens auch nach mehrmaligem Hören neben „Babel“ einer der stärksten Songs der zwölf Tracks, der eindeutig mit den Krachern ihres Debüts wie „Little Lion Man“ und „The Cave“ mithalten kann. Etwas schwermütig wirken hingegen die melancholischen Balladen „Ghosts That We Knew“ oder „Reminder“, welche vorwiegend zurückhaltend mit Gitarre bzw. Piano, und dem leisen Banjo begleitet werden und einen mit den gospelartigen Chorgesängen oder dem teils klagenden Gesang schon fast zum Weinen bringen können. Immer wieder begegnet uns jedoch diese unglaubliche Dynamik, wobei sich zunächst ruhige, ja fast wehleidige Parts mit absolut minimalistischer Instrumentierung, dann orchestral und mit voller Intensität, schwungvoller Rhythmik, den typisch treibenden Banjoklängen zusammen mit der kräftigen Stimme Marcus Mumfords, zu einem regelrechten Wirbelsturm aufbäumen. Diese fein aufeinander abgestimmten und durchweg faszinierenden Arrangements haben die talentierten Briten in „Babel“ regelrecht perfektioniert, sie ziehen sich als charakteristisches Stilmittel durch das gesamte Album und rufen nicht selten Gänsehautfeeling hervor. In „Hopeless Wanderer“, „Broken Crown“ und „Below My Feet“ kommt diese Songstruktur besonders gut zur Geltung, sie reißt den Zuhörer letztendlich einfach mit, ob er will oder nicht, um ihn dann vielleicht doch wieder mit einem abrupten Tempowechsel zu überraschen.

Den Ausnahmemusikern von Mumford & Sons gelingt es mit „Babel“ die außerordentliche Leidenschaft ihrer Live-Performances direkt in ihr Studioalbum zu transportieren und macht es so zu einer echten Herzensangelegenheit. Das gesamte Album wirkt auf mich höchst infektiös, man kann sich der Ansteckung durch die energetischen, größtenteils hymnischen Songs kaum entziehen, auch wenn „Babel“ stimmungstechnisch etwas gedämpfter als das Debüt auf mich wirkt. Trotzdem sehnt man sich plötzlich wieder nach einem ihrer erfrischenden Auftritte, die jedoch erst für Anfang 2013 in Deutschland geplant sind. Bis dahin hören wir eben ihr neues Album….rauf und runter!