Musik mit Stand-up: „Das Leben ist kein Ponyschlecken“ von Mirja Boes

VERÖFFENTLICHUNG» 30.05.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Mirja Boes ist doch diese Ulknudel aus „Die dreisten Drei“. Stammheimat RTL und Sat 1. Mit ihrem Hit „20 Zentimeter“ war sie Dauergast im Oberbayern auf Mallorca. Ihr neues Album trägt den Titel „Das Leben ist kein Ponyschlecken“. Also alles klar – wir stellen uns auf Unterhaltung aus der unteren Schublade und ein Niveau unterhalb der Gürtellinie ein. Und dann gleich drei Überraschungen! Nummer 1: Die Frau kann singen. Nummer 2: Die Texte sind intelligent und von recht subtiler Komik. Nummer 3: Ich scheine definitiv zur Zielgruppe zu gehören. Wie das?

Also nochmal von vorn. Mirja Boes ist 42 Jahre alt und hat schon einiges erlebt. Als Möhre eroberte sie den Ballermann und die Après Ski Hits, dann ging es auf die Sketch-Comedy-Schiene und seit einigen Jahren ist sie als Comedian auch solo unterwegs. Moderatorin, Schauspielerin, Sängerin, Autorin, Sprecherin – hab ich was vergessen? Vielseitigkeit pur.

„Das Leben ist kein Ponyschlecken“ ist bereits ihr viertes Album. Die Band dazu nennt sich Honkey Donkeys und macht mit ihr zusammen Musik an der Grenze zwischen lockerem Gitarrenspiel und Schlager, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften. Mirja kann ganz die intelligente Chanteuse geben, so wie Barbara Schöneberger, Ina Müller oder Pe Werner. Stimmlich fühlt man sich bisweilen in die 70er zurück gesetzte, als Andrea Jürgens und Katja Ebstein noch rau und herzlich auftrumpfen durften. Mirja singt mit ihrer ureigenen Stimmfarbe und ist dabei absolut authentisch.

Inhaltlich geht es um die kleinen Dinge des Alltags. Und damit meine ich jetzt nicht die fünfte Trennung oder den zehnten Liebeskummer, sondern den wirklichen Alltag: Frauen, die zu viel reden („20.000 Worte am Tag“), Männer, die nichts finden („Männer sind Jäger“), den Konkurrenzkampf am Sandkasten („Britta ist ne bessere Mutter als ich“), Sex in Zeiten des kleinen Nachwuchses („Kinder wollt ihr Kika gucken?“), den guten Freund, der nicht tanzen kann („Mach dich nicht zum Horst Heinz“), Partnersuche, wenn zuhause die Kleinen warten („Bei mir zuhause sind schon drei“) sowie den Hund, der die Trennung von Herrchen und Frauchen verkraften muss („Scheidungshund“).

Alle Themen sind aus dem Leben gegriffen und nehmen damit Mirjas eigenes auf die Schippe. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wo sie all diese Ideen her nimmt und wie sie selbige in gefühlvolle Musikstücke mit ernstem Hintergrund und dickem Augenzwinkern packt. Diese musikalische Win-Win-Situation nennt sich Comedy-Pop und kommt von einer Künstlerin, die genau weiß, wie es geht. Hut ab für dieses starke Album!

Auch live darf man sich auf Mirjas neue Seite freuen. Wo es vorher Stand-up mit Musik gab, gibt es jetzt eben Musik mit Stand-up. Und diesmal werden auch ausgemachte Musikliebhaber auf ihre Kosten kommen, denn Mirja bringt standesgemäß zum ersten Mal eine komplette Profiband auf die Bühne.

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