My Sleeping Karma servieren uns einen Rauschtrank namens „Soma“

VERÖFFENTLICHUNG» 28.09.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Pearl Jam’s Eddie Vedder sang einst in „Servered Hand” die Textzeile „Got some Kicks, want to take a ride?”. Ein solcher Kick könnte das neue Album von My Sleeping Karma sein. „Soma” wurde im beschaulichen Aschaffenburg angebaut und der Dealer heißt Napalm Records. Dieser ganz legal zu erwerbende Stoff erweitert das Bewusstsein und nimmt den Hörer mit auf eine Reise, deren Ziel der Weg ist.

Die Analogie zur Welt der berauschenden Substanzen entspringt nicht nur dem (nüchternen) Geist des Reviewers, sie wird auch von der Band selbst forciert. Denn „Soma” ist der Rauschtrank der hinduistischen Götter und wurde schon in Aldous Huxley’s „Brave New World” als anregende Droge ohne Nebenwirkungen aufgegriffen. Zudem zieren spitzkegelige Kahlköpfe das von Sebastian Jerke entworfene Cover. Die wissenschaftliche Bezeichnung dieser halluzinogenen Pilze „Psilocybe” dient entsprechend einem der sechs zentralen Songs auf „Soma“ als Namensgeber. Diese Stücke, von denen keines unter sieben Minuten lang ist, werden durch Interludes miteinander verbunden. Es ist fast so, als neutralisierten sie die in den Songs erzeugten Stimmungen, um für die jeweils folgenden bereit zu machen. Das ist gerade dann angenehm, wenn wie in „Saumya” die Gitarrenwände bedrohliche Höhen erreichen. Jeder Song stellt jedoch auch für sich genommen eine komplexes Gebilde dar, das immer nach dem Grundmuster „Headbanger-Riffs wechseln sich mit sphärischen Ambient-Sequenzen ab” funktioniert.

Manchmal sind die Stücke wie in „Ephedra” von der Gitarre dominiert, ein andermal sind die Bassläufe stimmungsweisend, wofür „Psilocybe” das beste Beispiel ist. Immer wieder machen elektronische Elemente den rein instrumentalen, groovigen Stoner-Rock zum Psychedelic-Trip. Zugleich umgibt die Songs ein Hauch Mystik des indischen Subkontinents ohne dass die musikalischen Hinweise allzu offensichtlich wären. Die Stimmung, die das Quartett mit diesen Elementen auf „Soma” verbreitet, ist einen Tick düsterer als die der Vorgänger.

My Sleeping Karma haben sich zu einer festen Größe im Metier gemausert und unterstreichen diesen erarbeiteten Status mit einem sehr guten vierten Studioalbum. Allen sei die in einigen Wochen beginnende Tour dieser Band ans Herz gelegt. Und um noch einmal Eddie Vedder heranzuziehen. Dieser hatte in den 90ern eine sehr fruchtbare Kollaboration mit dem pakistanischen Musiker Nusrat Fateh Ali Khan. Eine ähnliche Zusammenarbeit würde zu „My Sleeping Karma” passen wie die heiligen Kühe ins indische Stadtbild. Also, Matte, Seppi, Steffen und Norman, schaut euch doch bei eurem nächsten Trip gen Südosten mal um und knüpft musikalische Kontakte. Womöglich habt ihr für solche Unternehmungen aber recht wenig Zeit, wenn ihr im Rhythmus bleiben wollt und alle zwei Jahre die Fans mit neuen Alben beglücken wollt. Ist mir auch recht.