Nach dem Aufstieg folgt der Abstieg – Coheed And Cambria zelebrieren „The Afterman: Descension“

VERÖFFENTLICHUNG» 22.02.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Der zweite Teil des „Afterman“-Konzeptalbums folgt nur wenige Monate nach Teil 1 („Ascension“) und – schwupps – bin ich auch schon wieder mit der Progressive Rock-Band aus New York versöhnt. Die Crew um Sänger Claudio Sanchez, die jetzt wieder in Urbesetzung tätig ist, versteht es doch immer, ein überraschendes Klangspektrum in ihren Alben unterzubringen.

Teil 1 fand ich nach den vielschichtigen Erfahrungen mit den Vorgänger-Alben zu homogen, in weiten Teilen AOR-lastig. Doch die Fortsetzung versöhnt in dieser Hinsicht voll und ganz. Melodische Parts wechseln ab mit harten Riff-Hämmern. Es gibt zarte akustische Einlagen und sphärische Parts, die an die Glanzzeiten des Neoprog in den 80er Jahren erinnern. Hinzu kommen Soul und poppige Passagen, so dass Coheed And Cambria inzwischen schon längst kein Produkt der Prog-Nische mehr sind, sondern in den USA locker die Billboard-Charts stürmen.

Was aber immer wieder fasziniert, ist die inhaltliche Idee. Die Band – allen voran Songwriter Sanchez – hat ein Universum erschaffen, dass inzwischen alle erzählerischen Möglichkeiten sprengt. Nachdem man zunächst die Geschichte des außerirdischen Ehepaars Kilgannon mit ausschweifenden Zeitsprüngen erzählt hat, wendet man sich nun der Story um „The Amory Wars“ zu, die es inzwischen auch als Comic gibt: Sirius Amory entdeckt die geheimnisvolle Energiequelle, die 78 Welten zusammen hält, und muss erkennen, dass es sich dabei um einen qualvollen Ort handelt, an dem Seelen weiterleben.

Sanchez verknüpft diese Erzählung mit dem Progmetal von „Pretelethal“, den Emo-Spielereien von „Gravity’s Union“, und den Rock-Anleihen von „Away We Go“. Hinzu kommen ruhige Gitarren-Passagen, beispielsweise auf „Iron Fist“, die floydesken Klänge von „Hard Sell“ und gar astreiner 80er-Jahre-Pop („Number City“). So schaffen Coheed And Cambria nicht nur eine Fantasy-Welt, die die Herzen von SF-Freunden höher schlagen lässt, sondern auch eine musikalische Welt, die die Einflüsse mehrerer Jahrzehnte gekonnt zusammen fasst.

Ich revidiere hiermit hochoffiziell meine leicht negative Meinung zum ersten Teil des Konzeptalbums und stelle fest, dass die Musik in der Gesamtheit beider CDs perfekt wirkt. Mark Wahlberg und Steve Levinson haben als Produzenten inzwischen gar eine filmische Umsetzung angekündigt. Falls dies Wirklichkeit wird, darf man auf eine nachhaltige Synthese aus Prog und Science Fiction gespannt sein.