Nach zehn Jahren meldet sich Cody ChesnuTT mit einem sensationell starken Album zurück: „Landing On A Hundred“

VERÖFFENTLICHUNG» 02.11.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
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Sein erstes Album „The Headphone Masterpiece“ veröffentlicht der aus Atlanta stammende Sänger, Gitarrist und Songwriter bereits 2002. Die auf einem 4-Spur-Kassetten-Recorder aufgenommenen Songs erhalten jedoch zunächst keine größere Aufmerksamkeit.

Ein erster kommerzieller Erfolg stellt sich ein, als im selben Jahr die Hip-Hop-Formation The Roots den ChesnuTT-Song „The Seed“ neu aufnimmt und auf ihrem Album „Phrenology“ unter dem Titel „The Seed (2.0)“ veröffentlicht. Der Song verzeichnet auf dem europäischen Markt hohe Chart-Platzierungen, und das dazugehörige Musik-Video ist 2003 für die MTV Video Music Awards nominiert. ChesnuTT selbst wirkt als Sänger und Gitarrist sowohl an den Aufnahmen wie auch im Musik-Video mit.

Erst acht Jahre nach der ersten Veröffentlichung  erscheint 2010 die EP „Black Skin No Value“; und schließlich 2012 „Landing On A Hundred“, der von Fans lang ersehnte Long-Player.

Beim ersten Hören fällt sofort auf, dass im Gegensatz zum Debüt sehr viel mehr Wert auf eine gute Produktion gelegt wurde. Neben dem Songwriting stehen nun auch die ausgefallenen Arrangements der Songs im Mittelpunkt des Albums. Jedes Stück enthält in alter Soul-Manier ausgefeilte Streicher- oder Bläsersätze, die maßgeblich zur Individualität der Kompositionen beitragen.

Auch wenn die Songs stilistisch stark an den 70-Jahre-Sound eines Marvin Gaye, Bill Withers oder Isaac Hayes erinnern, greift ChesnuTT nicht allein auf Einflüsse aus der Soulmusik zurück. Vielmehr zeigt „Landing On A Hundred“, wie weit der musikalische Horizont des Ausnahmemusikers wirklich reicht: Neben Soul und R&B finden sich auch deutliche Anklänge von Funk, Afro-Beat, Jazz oder Reggae. Songs wie „Don’t Follow Me“ oder „I’ve Been Life“ wirken aufgrund ihres diffusen und vielstimmigen Gesangs teilweise extrem psychedelisch, während „Where Is All The Money Going“ sich rhythmisch ganz klar aus der Ska-Ecke bedient.

Unterm Strich bleibt zu sagen, dass mit „Landing On A Hundred“ ein sensationelles Album entstanden ist. Das ist umso überraschender, wenn man bedenkt, wie ruhig es lange Zeit um Cody ChesnuTT war. Dieses Werk ist musikalisch und von seiner Produktion her so vielschichtig, dass man auch nach vielfachem Hören immer noch Neues entdeckt. Und vielleicht ist es auch der Beweis dafür, dass wirklich Gutes erst entsteht, wenn man sich dafür Zeit nimmt.