Nadine Shah – „Love Your Dum And Mad“: ein Debutalbum, auf das wir gewartet haben

VERÖFFENTLICHUNG» 26.07.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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Wenn Nick Cave und PJ Harvey ein Baby hätten… Das ist wohl der Vergleich, mit dem Nadine Shah zurzeit am meisten zu kämpfen hat. Aber wer sollte sich darüber schon ärgern? Dann hört man ein bisschen genauer hin und entdeckt noch viel mehr Nuancen – ein bisschen Florence Welch, ein bisschen Ellie Goulding vielleicht. Sie selbst spricht von Marianne Faithful und Nina Simone als Inspirationsquellen.

„Love Your Dum And Mad“ ist das erste Album von Nadine Shah – und was für ein Album das ist. „Aching Bones“ beginnt mit einer kratzigen Gitarre, einem Bass… 56 Sekunden dauert es, bis Shahs Stimme einsetzt und man weiß, dass man hier etwas Gutes vor sich hat. Ihre Musik ist dunkel, aber nicht depressiv; ruhig, aber nie langweilig. Dabei passt die Stimmung und Intensität des Albums kaum zum Zeitpunkt (30. Juli!), an dem es veröffentlicht wird. Wollen da nicht alle eher leichte Sommerliedchen? Was Tanzbares?

Nadine Shah kommt aus Nordengland, ihre Mutter ist aus Norwegen, ihr Vater aus Pakistan. So eine Prise innerer Konflikt scheint ihr also in die Wiege gelegt zu sein. Produzent und Co-Writer des Albums ist Ben Hiller, der unter anderem Blurs „Think Tank“ gemacht und mit The Horrors und Depeche Mode gearbeitet hat. Es heißt, er hat nur einen Song gehört, bevor er zugesagt hat, Shah zu produzieren.   Die erste Hälfte des Albums ist sehr pianolastig, danach dominieren die Industrial-Einflüsse von Hiller. Es gibt kein durchgängiges Thema; es geht um Einsamkeit, Verlust, Rache und mehrere Songs handeln von Geisteskrankheiten („Used it all“, „Remember“, „Drearytown“, „Floating“). Trotz der Melancholie geht es um Stärke. Die Figuren wachsen an den Situationen. „Runaway“ handelt von einer Frau, die gerade verlassen worden ist. Shah singt: „I have the right to half of this house, I’m fine“. Das ist emanzipierte Melancholie.

Die Inspiration für all das nimmt Shah aus Filmdialogen, sagt sie, hauptsächlich aus düsteren. Dabei ist sie gar keine besonders traurige Frau, keine Sorge. Insgesamt ist „Love Your Dum And Mad“ ein starkes und inspirierendes Debutalbum. Wenn Nick Cave und PJ Harvey ein Baby hätten, würde es sicher Nadine Shah hören.