„Nádúr“ von Clannad – ein Album voller Entschleunigungsmusik!

VERÖFFENTLICHUNG» 20.09.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Erst Anfang diesen Jahres meldeten sich Clannad mit der Live-CD und -DVD „Christ Church Cathedral“ zurück, der Aufzeichnung eines Konzertes in Dublin von 2011. Davor war es sehr lange still um die keltische Band. Ihr letztes reguläres Album „Landmarks“ erschien 1997. In ihrer Musik haben Clannad stets Tradition und Moderne miteinander verbunden. Unvergessen ist bis heute nicht nur ihr grossartiger Soundtrack „Legend“ zur Kult-Serie „Robin Hood“ von 1984. Pünktlich zum 40-jährigen Bandjubiläum veröffentlichen Clannad nun ihr insgesamt 18. Album „Nádúr“. Doch nicht nur das. Seit „Past Present“ ist es das erste in der Originalbesetzung aus den Geschwistern Moya, Ciaran und Pol Brennan und ihren Onkeln, den Zwillingsbrüdern Noel und Padraig Duggan. Und „Past Present“ liegt immerhin schon 24 Jahre zurück.

Natürlich darf man nach so langer Zeit nichts Revolutionäres (mehr) erwarten. Muss aber auch nicht sein. Schon immer gaben Clannad vor allem den alten Songs ihrer Heimat neues Leben und einen Ort, an dem sie bleiben konnten. Ihre Musik war umweht von einem Hauch Mystik und beim Hören sah man förmlich die nebelverhangenen Wiesen von Donegal vor sich, auf denen Elfen und Feen wohnten. Auch „Nádúr“ wirkt wie aus einer anderen Zeit. Wo Hektik, ständige Erreichbarkeit und eine nie endenwollende Informationsflut unseren Alltag bestimmen, sorgen Clannad für Beruhigung. Ein Album voller Entschleunigungsmusik.

Da erscheint vieles federleicht. Der manchmal mehrstimmige Gesang entfaltet eine verträumte Stimmung (bestes Beispiel: „Turas Dhómsha chon na Galldachd“). Dudelsack, Flöte, Harfe oder Mundharmonika tun ihr übriges dazu, um sich gedanklich aus dem Hier und Jetzt zu verabschieden und in eine andere Welt einzutauchen. Dabei werden Clannad zu keinem Zeitpunkt seicht oder gar kitschig. Sie können es ebenso poppig wie im hymnischen „Brave Enough“ oder dem teilweise spanisch gesungenen „A Quiet Town“. Auch „The Fishing Blues“ fällt aus dem ansonsten fragilen Rahmen.

Vielleicht ist das Album mit 13 Songs ein klein wenig zu lang geraten. Zum Ende hin geht ihm etwas die emotionale Luft aus. Doch es ist schön, das Clannad immer noch (oder besser: wieder) da sind. „Nádúr“ ist wie ein Treffen mit alten Freunden, die dich in den Arm nehmen und dir einen Platz zum Ausruhen anbieten.