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Neumatic Parlo: Die Wiederbelebung des 80’s-Indie als planloser Toaster

Neumatic Parlo  •  Random Toaster
Veröffentlichungsdatum: 14.05.2021
Unsere Bewertung: 9 von 9 Punkten

Die Hochphase des Independent waren die 1980er und die Newcomer von Neumatic Parlo aus Nordrhein-Westfalen beleben das Genre mit einer Vielzahl an Reminiszenzen. Die neue EP fühlt sich so retro und doch so frisch an, als hätte man die melodischen und melancholischen Tracks mit der Zeitmaschine direkt in die 2020er transformiert. Und immer wieder mogeln sich Motorik-Sounds und psychedelische Krautklänge dazwischen.

Düstere Texte treffen auf zarte Melodien und weitläufige Klanglandschaften. Neumatic Parlo aus Düsseldorf spielen manchmal sanften, manchmal psychedelischen Indie-Rock und klingen dabei wie ein Ménage-à-trois zwischen Yo La Tengo, The Cure und Ty Segall.

Melancholie! Wo sich Ihr Gesicht auf der glitzernden Oberfläche des Rheins widerspiegeln soll, ist nichts als Leere. Der Fluss trägt unsere Gedanken in einem endlosen Strom von Zweifeln und Teenagerangst weg. Eine intensive Sehnsucht zwischen der berüchtigten Düsseldorfer Altstadt und dem Oberkassel auf der anderen Seite des Rheins. Wo könnte Rebellion gegen Langeweile besser gedeihen als hier in Düsseldorfs Vorstadt? In einem Spannungsfeld zwischen trügerischem Reichtum, verbliebenen Subkulturräumen und dem sagenumwobenen Salon des Amateurs gibt es etwas zu brodeln und plötzlich sind Oberkassel und LA nicht mehr so weit weg.

Auf ihrer zweiten EP Random Toaster spielen Neumatic Parlo melancholischen psychedelischen Pop. Düstere Texte treffen auf zarte Melodien und verträumte Klanglandschaften. Vincent Göttler, Justin Jansen, Luis Wedekind, Frederick Oltersdorf und Simon Hartmann kreieren einen Sound, der gleichzeitig international ist, aber mit Motorik, Synthesizern und rasselnden Gitarren immer in der Tradition ihrer Heimatstadt verwurzelt ist. Als wäre er ein Antiheld der frühen 80er Jahre, singt Göttler über Angst, Zweifel und eine lange Suche. Die Antwort, ob er finden wird, wonach er sucht, steht noch aus, aber das existenzielle Bedürfnis klingt bereits honigsüß.

Nach ihrer Debüt-EP All Purpose Slicer klang Neumatic Parlo immer noch wie Post-Punk und No Wave. Sie sind auf Random Toaster viel psychedelischer und verspielter. Manchmal klingt das ein bisschen wie Yo La Tengo oder so anstrengend und laut wie ein Ty Segall. Songs wie Real Insight und Airplane schwärmen von dunklen romantischen Reisen in andere Sphären, während Nicolas Winding Refn ein Szenario voller Paranoia ist, das aus einem Film desselben dänischen Kultregisseurs stammen könnte. Die Angst wird fast spürbar, wenn Göttlers nervöse Gesangslinie über einem rumpelnden Schlagzeug liegt und dann buchstäblich von einer Wall Of Sound aus Gitarren und Geräuschen überrollt wird. Im Lake Perris State Recreation Area enthüllt Neumatic Parlo den eigenen Mythos der Band und erzählt von dem gemeinsamen Roadtrip zum Desert Daze Festival in der kalifornischen Wüste. Neben unzähligen Fuzz War-Eskapaden war es ein Auftritt von Slowdive, der hier deutlich seine Spuren hinterlassen hat. Für die Aufnahmen von Random Toaster zog sich die Band und Produzent Patrick Stäudle auf einen Bauernhof im Schwarzwald zurück. Abgeschiedenheit und innere Kontemplation spiegeln sich hier deutlich wider.

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