New Model Army wagen mit „Between Dog And Wolf“ einen kompletten Neuanfang!

VERÖFFENTLICHUNG» 20.09.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Es waren stürmische Zeiten für New Model Army seit der Veröffentlichung ihres letzten Albums „Today Is A Good Day“ vor vier Jahren. Im Dezember 2008 verstarb plötzlich und unerwartet ihr langjähriger Manager Tommy Tee. Danach verloren sie ihr Equipment und Archiv in einem Studiobrand. Was davon noch übrig war wurde ihnen zu allem Überfluß wenig später geklaut. Und als ob das alles immer noch nicht reichen würde, verließ Anfang 2012 Bassist Peter „Nelson“ Nice nach 22 Jahren die Band aus familiären und persönlichen Gründen. Immerhin feierten New Model Army 2010 unfallfrei ihr 30-jähriges Jubiläum.

Die Band hat die Situation genutzt, um einen kompletten Neuanfang zu wagen. Den Platz von Nelson übernahm Ceri Monger. Mit ihm zusammen nahmen Justin Sullivan, Gitarrist Marshall Gill, Keyboarder Dean White und Michael Dean am Schlagzeug ihr neues und zwölftes Studioalbum „Between Dog And Wolf“ auf, produzierten es selbst und ließen es schließlich im Frühjahr in Los Angeles von Joe Baresi (Queens Of The Stone Age, Tool, Soundgarden) abmischen. Auch musikalisch – soviel sei vorweggenommen – ist „Between Dog And Wolf“ gänzlich anders als sein wütender Vorgänger. Justin Sullivan erklärt es so: „Der Titel stammt von einem französischen Ausdruck für die Abenddämmerung – wenn es schwer ist zwischen Hund und Wolf oder Freund und Feind zu unterscheiden. Dieser Gegensatz beschreibt den Zustand der Band ziemlich gut und spiegelt eben diese Wahrnehmung des Wandels in der Platte wider“.

Möglicherweise macht sich nach dem ersten Hördurchgang zunächst eine leichte Enttäuschung breit. Unwillkürlich wartet man immer auf den Moment, an dem das Album endlich zündet. Da muss man jedoch durch. Denn „Between Dog And Wolf“ ist sehr viel experimenteller, atmosphärisch dichter und damit deutlich ruhiger ausgefallen, als man es von New Model Army in den vergangenen Jahren gewohnt war. Erst nach mehrmaligem Hören entfaltet das Album seine ganze Schönheit und emotionale Tiefe. Dafür aber richtig. Man wird für seine Geduld mit 14 Songs belohnt, die nicht nur im Kopf, sondern auch im Hirn bleiben. Justin Sullivan erzählt Geschichten über Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit und entführt uns dabei ins Mittelalter oder in das Ägypten der Neuzeit.

Der verhaltene, eindringliche und ungewohnt dunkle Opener „Horsemen“ gibt die Richtung bereits vor. Spätestens bei „Seven Times“, meinem persönlichen Favoriten, wird klar, dass „Between Dog And Wolf“ auch ein schlagzeugdominiertes Album ist. Michael Dean hat lange nicht mehr so sehr im Vordergrund getrommelt wie während dieser 64 Minuten. „Did You Make It Safe?“ klingt fast wie ein Choral. Daneben sorgen das hymnische „Lean Back And Fall“, die halbakustische Ballade „Knievel“ und besonders „Summer Moors“ für eine sphärisch-verträumte Stimmung. Doch keine Sorge! So ganz ohne zu rocken geht es bei New Model Army natürlich nicht.

In diese Kategorie fallen neben der ersten Single „March In September“ noch „Storm Clouds“ (mit einem leicht wirren Ende), „Tomorrow Came“ oder der hypnotische Titelsong, der mit einem offensichtlich etwas verrosteten Glockenspiel beginnt und sich dann langsam steigert. In „I Need More Time“ murmelt Justin Sullivan zunächst mehr als dass er singt, wird dann aber doch mal kurzzeitig wütend. Das fast siebenminütige, orientalisch angehauchte „Quasr El Nil Bridge“ gibt nach hinten raus ebenfalls ordentlich Gas. Und mit „Ghosts“ schließt sich der Kreis. Wie gesagt, es ist kein leichtes Album. Es ist eines, in dem New Model Army die Luft anhalten und sich in gewisser Weise selbst in den Arm nehmen, um sich und uns nach all den Schicksalsschlägen der jüngeren Vergangenheit ihres ungebrochenen Zusammenhalts zu versichern.

„Between Dog And Wolf“ ist aber auch der Beweis dafür, dass die Band noch immer die musikalische Speerspitze der Underground-Bewegung darstellt. New Model Army sind ihren Grundsätzen dabei stets treu geblieben und haben sich nie verbiegen lassen. Und das ohne sich krampfhaft ins Rampenlicht zu drängen, wie es etwa der kleine Kollege mit den großen Brillen aus Irland so gerne tut. Die bereits angekündigte Dokumentation in Spielfilmlänge über die Bandgeschichte, entstanden in den vergangenen drei Jahren unter der Regie von Royal Television Award-Preisträger Matt Reid, wird für Anfang 2014 erwartet. Erst sind New Model Army im Oktober aber wieder auf Tour. Das dazugehörige Schlusswort gebührt noch einmal Justin Sullivan: „Es ist immer gut wieder unterwegs zu sein und die Stimmung in der Band ist die hungrigste und optimistischste an die ich mich je erinnern kann. Wir freuen uns total darauf“. Wir auch!

  • 01.10. Münster, Jovel
  • 02.10. Hamburg, Markthalle
  • 03.10. Berlin, Huxleys
  • 04.10. Hannover, Capitol
  • 05.10. Rostock, Mau
  • 12.10. Dresden, Beatpol
  • 15.10. AT-Wien, Szene
  • 17.10. Darmstadt, Centralstation
  • 18.10. Nürnberg, Lowenzaal
  • 19.10. Stuttgart, LKA
  • 20.10. München – Backstage
  • 22.10. CH-Zürich, Komplex 457
  • 21.12. Köln, Palladium (mit Special Guests: The Levellers)

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