No Consequence zeigen mit IO die Vielfalt des modernen Metals

VERÖFFENTLICHUNG» 01.04.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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No Consequence? Wer braucht schon konsequente Musik? Ist doch langweilig, wenn alles gradlinig nach Schema F verläuft: Wenn Songs à la Pop-Komposition monoton zwischen Refrain und Strophe abwechseln und pünktlich in Radiotauglichkeit mit 3.15 Minuten enden. Natürlich haben die Briten von No Consequence auch Strukturen auf ihrem Album „IO“, aber sie lassen sich zwischen diesen viel Raum.

Nach mehrerem Anhören wird einem erst bewusst, wie vielseitig dieses Album ist, da viele Stoffe, die diese Jungs eingebaut haben, auf den ersten Blick kaum zu erfassen sind. „IO“ läuft in Winkeln, die nicht vorhersehbar sind. Mal verlaufen sich die Riffs in unendlich andauernden Harmonieläufen oder in fast balladenartigen Klavier-Parts, auf denen Sänger Tasan sein Können durch seine Gesangsstimme beweist. Natürlich gibt es in jedem Song das ‚Djent-mathematische-Rhythmus-Ding‘, um ordentlich Druck zu machen, aber auf diesem kopflastigen Kram wird sich nicht ausgeruht, sondern sie versucht, immer noch eins drauf zu legen. Das bisher Bekannte wird weiter ausgebaut. Die Metalcore-Neigungen werden aufs Minimum beschränkt und haben ihren besonderen Effekt. Sie haben den Vorteil, dass manche Breakdowns einfach grooviger wirken oder manche Tonfolgen nicht abrupt abgebrochen werden müssen, um in der Meshuggah Tradition zu bleiben. No Consequence wissen, dass ihr Album keine leichte Einsteigerkost ist, sondern sich zielgerichtet an die Kundschaft ihres Labels Backsick Records wendet. Keine schlechte Idee, denn der Misch aus Metalcore und progressiven Metal (nicht Djent!) braucht noch ein paar Speerspitzen in Europa. Zwar haben sich schon viele diesem Thema gewidmet, aber bis auf wenige amerikanische Bands noch keinen Rundenabschluss mit dieser Aufgabe gehabt, da die Variationen eindeutig nicht komplex genug wirken, um beide Seiten von Fans glücklich zu stimmen.

Nach meiner Meinung bieten No Consequence (fast) alles, was das moderne technische Metal-Herz begehrt. Die Breite der Band mag für die Metalcore Gemeinde zu groß sein, aber für Basick Records Begeisterte und für alle Interessierte von komplexer Musik genau das Richtige – ist doch logisch!