Ohrbooten – Alles für alle / Einmal Swaghetti-Yolonese zum Mitnehmen bitte

VERÖFFENTLICHUNG» 24.05.2013
BEWERTUNG» 3 / 9
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Das erste Album auf einem Major-Label hat seine ganz speziellen Herausforderungen. Mal ist man an Verkaufszahlen gebunden, mal an den Musikgeschmack der jeweiligen Vertreter. Das kann wunderbar klappen, man kann sich wunderbar verstehen, man kann sogar soweit kommen, dass man den Schritt zum Berufsmusiker schafft.

Beim Release von „Alles für alle“, dem Majordebüt der Ohrbooten, geht dieser Schuss mit Anlauf nach hinten los. Als sich das Album seinem Ende nähert, lässt man den Rundumschlag gegen Jugend, Politik und die sonstigen üblichen Verdächtigen, in seinem Kopf Revue passieren. Klar ist: Was die Ohrbooten auf ihrem vierten Album anbieten, kann man entweder als Selbstironie verstehen oder als eine Weltbildverzerrung, die sie ihren Fans unterjubeln wollen.

Ist der Opener „Urwald“ nett anzuhören, geht das Niveau vor allem bei „Models“ und „Alles für alle“ drastisch nach unten, sodass man sich fast schon das Telefon greifen und die Beschwerdehotline anrufen will. Gerade bei Letzterem schwappt das Maß deutlich über. Denn einerseits „alles für alle bis alles alle ist“ versprechen, aber dazu direkt auf den Dub-Step Güterzug aufspringen, um in das Reich des $$$ per Direktfahrt zu gelangen, ist einfach unglaubwürdig. Ein weiteres schönes Beispiel ist die „Früherwarallesbesser/Schubladen“-Hymne „Punk is Dad“:

„Was wollen die hier? Frozen Joguhrt, Bubble Tea
Es gibt kein’ Döner mehr und keine Anarchie.
Früher gab es Pitbulls, die konnten alle beißen,
heute seh’ ich nur noch Pudel mit einem Halbsteifen“

Die Gesellschaftskritik ist unverkennbar, wie auch belustigend zugleich. Besetzte Häuser hin, Molotow-Cocktails am Tag der Arbeit her, wer solche Songs zusammen mit „2 Joints“ auf eine Platte packt, kann sich nicht von der Kritik der Unglaubwürdigkeit verstecken. Lediglich der aller letzte Song „Es geht immer“ kann richtig überzeugen. Melodische Gitarrenriffs, weit weg von nervigen Dub-Step Beats sowie Lyrics voller Rundumschläge, und ein eingängiger Refrain sind der Hauptgrund dafür.

Letztlich sind die Ohrbooten gar nicht mal so weit von dem entfernt, was sie eigentlich kritisieren. Hipster mit einer ordentlichen Portion „Yolo“ und „Swag“ in ihrer Attitüde. Was übrig bleibt, ist die Frage wie weit dieses Stück „Musik“ etwas bei ihren Hörern auslöst. Beim Schreiberling war es lediglich ein Jucken in den Fingern diesem Schein mit einer Review entgegen zu wirken und, dass die Club Mate Flaschen schon wieder alle, alle sind.