OK KID treten zur Rettung des Deutschrap an – progressiv und ästhetisch

VERÖFFENTLICHUNG» 05.04.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Jonas und Raffi sind in der Nähe von Gießen aufgewachsen – und sie haben den HipHop für sich entdeckt. Das war nötig, um die Heimatstadt ein wenig aufzumischen: Jams und Graffiti-Battles organisieren, an eigenen Beats basteln, als MC durch die Gegend tingeln. So haben sie die Ochsentour mitgemacht. Auch der Dritte im Bunde – Moritz – versuchte sich früh als Musiker, spielte in unterschiedlichen Bands und begann, eigene Songs zu schreiben. Das erste Projekt einer siebenköpfigen Gruppe Gleichgesinnter hieß Jona:S. Übrig geblieben sind am Ende die drei Genannten, die den neuen Bandnamen wählten.

Der Name OK KID kommt (man will es kaum glauben) tatsächlich von der Band Radiohead und deren Mega-Alben „OK Computer“ und „KID A“. Man muss wohl zugestehen, dass der Einfluss der Briten auf Künstler, die zur Jahrtausendwende musikalisch sozialisiert wurden, nicht zu unterschätzen ist, auch wenn es stilistisch in eine etwas andere Richtung geht. Zumindest gelingt der Spagat zwischen intelligentem HipHop und den Synthesizer-Einflüssen, die Keyboarder Moritz mit ins Spiel bringt.

Textlich fährt man weder die Aggro-Schiene noch geht es in den Fun-Bereich. Stattdessen erwarten uns lyrische Tracks, die oft ins Melancholische abgleiten. „Hellwach“ ist ein solch bedrückender Titel, der das Leben in verschiedenen Welten beschreibt. Oder „Stadt ohne Meer“ als Liebeslied an Gießen, ohne den Ortsnamen überhaupt zu nennen. Und natürlich „Heile Welt“ – eine Hommage an die Kindheit in einem Feature mit Olli Banjo.

Aufhorchen lässt die Tatsache, dass als achter Track unvermittelt ein „Intro“ auftaucht. Tatsächlich geht es danach nochmal in die Vollen und es folgt eine mit Elektrobeats unterlegte Reihe von Songs, die sich grob dem Beziehungsthema widmen, vom chilligen „Wenn der Tag abreist“ über das gradlinige „Alles oder nichts mehr“ bis hin zu den frustrierten Rausschmeißern „Kaffee warm“ und „Mehr mehr“.

Die Erwartungen sind nicht zu hoch gesteckt. OK KID legen ein starkes, durchdachtes Debütalbum vor, mit dem sie sich vor ihren Labelkollegen Casper und Marteria nicht zu verstecken brauchen. Nicht alles perfekt, die schlauen Texte manchmal etwas zu gewollt – und doch ganz erfrischend, dass das „kopfzerfickende Gefühl“ zu den stärksten verwendeten Kraftausdrücken gehört. OK KID haben ihre unterschiedlichen Talente geschickt zusammen gewürfelt und man kann sicher sein, dass das Trio auch in Zukunft noch einiges zu bieten hat.

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