One Direction erobern mit „Take Me Home“ die Teenie-Welt

VERÖFFENTLICHUNG» 09.11.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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One Direction, von Fans und Boulevardpresse liebevoll als 1D abgekürzt, sind das neue große Ding aus England. Ihr Debüt „Up All Night“ erreichte immerhin in 17 Ländern Platz 1 der Charts und sicherte ihnen damit einen spektakulären Karrierestart. Bei der britischen X-Factor-Show sind sie zunächst als Einzelkandidaten angetreten, ließen sich aber unter der Ägide von Nicole Scherzinger zu einer Boygroup zusammen fassen. Dass sie am Ende gar bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele auftreten durften, war schon ein ganz großer Coup. Erfolgsrezept: Keiner ist älter als 20 und die Gesichter mit verschmitztem Grinsen machen sich gut auf den Postern, die nun die Wände der Teenie-Girls weltweit zieren.

Und da sind durchaus schöne Stimmen zu entdecken. Ich bin angenehm überrascht, dass auf dem neuen Album „Take Me Home“ (das Debüt kenne ich leider nicht) fast durchweg akustisch aufgebaute Songs zu finden sind. Keine Elektronik, keine Beats und Effekte, die etwaige vokale Defizite verschleiern. Bei den Songs handelt es sich hauptsächlich um Balladen und sanfte Uptempo-Nummern. Der gesangliche Anteil scheint gleichmäßig zwischen den Jungs verteilt – wenn ich sie auch nicht wirklich gut auseinander halten kann. Zumindest gibt es einige Duette und polyphone Passagen. Allerdings traut man sich anscheinend nicht, die ganze Bandbreite von fünf guten Stimmen auszuloten. Da wäre doch auch im A-cappella-Bereich noch einiges möglich.

Musikalisch klaut man gerne mal ein paar Ideen der Rockgeschichte. Das Intro zur Single „Live While We’re Young“ erinnert beispielsweise an The Clashs „Should I Stay Or Should I Go“. Später bedient sich „One Last Kiss“ ein wenig bei „Wonderwall“ und „Rock Me“ bietet kleine Anleihen von „We Will Rock You“. Egal – es bleibt ja in der großen britischen Familie und in allen Fällen relativiert sich das auch schnell. Der nur wenige Monate ältere Ed Sheeran fungiert als Songwriter und steuert „Little Things“ sowie „Over Again“ bei. Die würden sich auch auf seinen Alben ganz gut machen. „C’Mon, C‘Mon“ ist äußerst tanzbar und geht in Richtung Backstreet Boys. Das bleibt aber ein Ausreißer. One Direction können vor allem Balladen und Hymnen – und da ist der Abschluss „Summer Love“ ein würdiger Rausschmeißer.