Opeth haben sich in den 70ern festgesetzt: „Pale Communion“

VERÖFFENTLICHUNG» 22.08.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Endlich ein neues Album von Opeth. Und natürlich war nach den Festivalshows des letzten Jahres die Hoffnung groß, dass es eine zumindest angedeutete Rückkehr zu den Death Metal-Wurzeln gibt. Allerdings ist es auch nicht überraschend, dass dem nicht so ist. Wenn Mikael Åkerfeldt von einer „Besinnung auf die Wurzeln“ und von „rockigen, düsteren Songs“ spricht, meint er die Gefilde der 70er Jahre, in denen man sich schon mit dem Vorgänger „Heritage“ bewegte. Das Album erklang ganz im Stil des Progressive Rock der Anfangszeit und brachte verstörend schöne jazzige Klänge mit sich.

Es scheint das erklärte Ziel von Opeth zu sein, den Progrock der 70er – mitsamt seinen psychedelischen Anfangstagen – zu neuem Leben zu erwecken. Das schmeckt den Metallern vermutlich gar nicht, treibt den Proggern aber Freudentränen in die Augen. „Eternal Rains Will Come“ ist ein wundervoll vielschichtiger Opener und glänzt mit harmonischen Vocals. „Cusp Of Eternity“ hat eine düster-rockende Basslinie zu bieten. Das Album ist voll mit vertrackten Melodien und instrumentellen Spielereien. Insgesamt aber klingt es tatsächlich wieder mehr nach Opeth, als dies noch bei „Heritage“ der Fall war. Der allgemeine Ansatz ist dunkler.

Nun gut, das wie ein Prog-Musical aufgebaute „Moon Above Sun Below“ und das instrumental verspielte „Goblin“ werden manchen Hörern Qualen verursachen, doch wenn man sich mit Synkopen und harmonischen Spielereien abfindet, sind es klasse Tracks voller versteckter Ideen und Anspielungen. Produktion und Mix sind (dank Steven Wilson) mal wieder perfekt. Die Zusammenarbeit mit Porcupine Trees Mastermind wurde in den letzten Jahren immer weiter intensiviert und er ist nun auch nicht gerade dafür bekannt, Erfolgsrezepte für alle Zukunft zu kopieren. Wenn zwei so kreative Köpfe wie Wilson und Åkerfeldt etwas aushecken, kann dies nur innovativ und richtungsweisend für ein ganzes Genre sein.

Åkerfeldt und Co. wollten nie die Heroen der Metalszene sein. Ihr mystisch-düsteres Auftreten war vielmehr Mittel zum Zweck, um möglichst starke Kontraste zu erzeugen, dass wurde schon in Alben wie „Blackwater Park“ und „Still Life“ deutlich. Heute erfreuen sie sich am intensiven Keyboard-Einsatz (Mellotron, Hammondorgel – die ganze Palette). Wer das letzte Soloalbum von Wilson mochte, oder sich gerne mal mit dem Backkatalog von King Crimson oder Wishbone Ash in den Musikkeller verzieht, wird „Pale Communion“ lieben. Ein ruhig gehaltenes Werk für Genießer.

Wer sich für die Special Edition entscheidet, bekommt übrigens noch eine Liveversion des Songs „Solitude“ und als ganz besonderes Highlight den schwedischen Titel „Var kommer Barnen in“ der Gruppe Hansson de Wolfe United aus den 80er Jahren. Ein sehr bewegendes, ruhiges Stück, das sich mit der Zukunft der Kinder beschäftigt und von Åkerfeldt sehr emotional vorgetragen wird. Die beiden Songs sind Bestandteil der Blu-Ray-Disc, die auch das Album im 5.1-Mix enthält. Zudem liegt eine Karte mit Download-Code bei, die es ermöglicht, die Titel als Audiotracks zu laden. Sehr fanfreundlich finde ich das!

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