Paramore sind auch ohne die Farro-Brüder ein starkes Brett

VERÖFFENTLICHUNG» 05.04.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Es waren die Brüder Josh und Zac Farro, die sich vor neun Jahren mit der extravaganten Frontfrau Hayley Williams zusammen taten und drei Jahre später das Debüt „All We Know Is Falling“ auf die Indie-Gemeinde losließen. Bands mit starker Frau an der Spitze gibt es inzwischen wie Sand am Meer – und doch haben Hayleys ausdrucksstarke Vocals etwas von einem Alleinstellungsmerkmal. Vergleiche mit Avril Lavigne werden zwar aufgrund des Auftretens gern genommen, werden aber ihrer fulminanten Stimme nicht gerecht. Vor allem in den ruhigen Tracks wird ihre wahre Klasse am Mikro deutlich und sie erzeugt stets aufs Neue eine Gänsehaut.

Inzwischen ist Hayley die Konstante in der Band und ihre Mitstreiter wurden mehrfach ausgewechselt. Man scheint sich nun über mehrere Jahre in der Dreier-Besetzung mit Jeremy Davis und Taylor York gefunden zu haben. Und endlich ist es auch Zeit für eine selbstbetitelte Platte, die eine Form von Neudefinition darstellt.

Zu Beginn geht es mit „Fast In My Car“ und „Now“ stark und laut los. Die Songs kommen intensiv und rockig beim Hörer an und sind meilenweit von anbiedernden Mainstream-Anleihen entfernt. Hayley gibt gekonnt die Rockröhre. Auch der Spaß-Faktor ist nicht verloren gegangen. „Ain’t It Fun“, „Anklebiters“ und „Proof“ sind erfrischende Statements.

Es gibt aber auch eine andere Seite der Band, die nun oft die Oberhand gewinnt. Paramore verstehen sich seit langem auf durchdachten Songaufbau und fesselnde Dynamik. Nun zeigen sie häufiger ihre melodische Seite mit melancholischen Songperlen und sauberen Vokalpassagen. Vor allem die „Interludes“ entwickeln ganz neue musikalische Seiten, die das Album gekonnt gliedern. Und dann gibt es zum Beispiel mit „Last Hope“, „Hate To See Your Heart Break“ und vor allem „(One Of Those) Crazy Girls“ sehr stimmungsvolle Balladen, während Songs wie „Daydreaming“ und „Proof“ den Hymnencharakter hoch halten und sicher das Zeug zu Live-Klassikern haben.

17 Songs in 64 Minuten Länge. Das hätte fast für zwei Alben gereicht. Damit entschädigen Paramore für die lange Wartezeit und bieten das abwechslungsreichte Album ihrer Karriere. Die Farro-Brüder werden vermisst, keine Frage. Und doch können Paramore selbstbewusst in die Zukunft schauen. Mit dieser Frontfrau sind und bleiben sie ein Brett.

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