Pentatonix – PTX: fünf Stimmen und ein ästhetisches Klangerlebnis

VERÖFFENTLICHUNG» 19.09.2014
BEWERTUNG» 9 / 9
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Während die deutschsprachigen A-cappella-Gruppen sich vor allem im Bereich des Vokalpop bewegen und meist chorisch durchkomponierte, harmonische Melodielinien mit Beatbox-Einwürfen von sich geben, gehen die renommierten Bands aus Übersee schon längst einen Schritt weiter. Hier herrscht reiner Perfektionismus und Coversongs sowie Eigenkompositionen werden so detailverliebt und vielschichtig vorgetragen, dass man sie kaum noch von einer instrumentierten oder gar computergenerierten Version unterscheiden kann.

Jüngstes Beispiel dafür sind Pentatonix aus Texas, die bisher vor allem mit fantastischen YouTube-Videos und zwei EPs von sich reden machten. Jetzt erscheint ihr erstes vollständiges Album, dem sie den einfachen Namen „PTX“ gegeben haben. Das ist leicht zu merken, verkürzt den Bandnamen in grafisch schöner Form und steht vor allem für den Dancefloor-Sound, den die Band hier verblüffend echt allein mit ihren Mundwerkzeugen und Mikrofonen nachahmt.

Der erste Track heißt „Daft Punk“ und mischt Titel wie „Around The World“, „Get Lucky“ und „One More Time“ zu einem genialen tanzbaren Longtrack. Das Stück lebt von einem harmonischen Aufbau der einzelnen Stimmen, zu dem sich schließlich die Klänge einschalten, die die elektronischen Elemente der Songs interpretieren. Hammer ist das geil! Musik, die in die Beine geht und glasklar produziert ist. Da freut es uns doch, dass man nach den ganzen YouTube-Erfahrungen Pentatonix auch mal exzellent ausgesteuert auf der heimischen Anlage genießen darf.

Das Ensemble hat mit Kirstie Maldano neben vier Männern eine weibliche Mitstreiterin. Perfekt, um einen Titel wie „Rather Be“ (im Original von Clean Bandit mit Jess Glynne) zu performen. Doch auch Mitch Grassi als Countertenor kann in höchsten Tönen schwelgen, ohne dass die Ohren klirren. Und dann ist da noch Avi Kaplan mit seinen bauchkitzelnden Basslinien, die in Songs wie „Problem“ und „One Way Home“ so richtig zur Geltung kommt. Letzterer bietet zudem weltmusikalische Einflüsse – das ist Musik, die überall verstanden wird.

Instrumente verwendet das Quintett nur in absoluten Ausnahmefällen: „Papaoutai“ wird durch eine Streichersequenz von Lindsey Stirling verfeinert. Ansonsten erzeugen Pentatonix die orchestralen Klänge aber selbst. Mit klanglicher Leichtigkeit lassen sie beispielsweise die Anfangstöne von „Rather Be“ durch die Luft schweben. Das erzeugt absolute Gänsehaut.

Es gibt Rap („Can’t Hold Us“), die gekonnte Verwurstung allgemeingültiger Klassiker („Hit The Road Jack“) und vor allem tiefsinnige Interpretationen von Charthits. „Royals“ ist da ein perfektes Beispiel, da dessen Reduziertheit auch a cappella hervorragend funktioniert und die neue Umsetzung fast noch zerbrechlicher klingen lässt als das hinreißende Original. Pentatonix bieten übrigens neben den Coverversionen auch einige eigene Stücke. Vor allem Balladen mit polyphoner Ausrichtung haben es ihnen angetan. „Standing By“ und „Run To You“ wissen in ihrer Eigenständigkeit durchaus zu begeistern und passen gut in den Kanon der Songs.

Es ist immer schwierig für A-cappella-Bands, ihre Live-Performance im Studio umzusetzen und den Funken überspringen zu lassen. Pentatonix sind gnadenlos gut auf der Bühne. Es gehört eben dazu, die Mimik, die Choreografie, das Weitergeben des Staffelstabs von Sänger zu Sänger zu beobachten. Doch auch auf CD hat die Band ihren Reiz. Die berauschende Klangfülle findet den Weg in unsere Köpfe und erzeugt auch dort ein sehr ästhetisches Musikerlebnis. Was mir jetzt noch fehlt, ist ein Livekonzert in erreichbarer Nähe.

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