Peter Fox und Dellé machen wieder gemeinsame Sache mit „Seeed“

VERÖFFENTLICHUNG» 28.09.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Seeed standen mit ihrem neuen Album vor einer schwierigen Aufgabe: Ihr Frontmann Pierre Baigorry, der unter dem Namen „Enuff“ als eines der drei „e“ von Seeed fungiert, hatte als Peter Fox ein so geniales Album hingelegt, dass er den Erfolg seiner Stammband bei Weitem übertraf und für einige Monate die deutschen Charts regelrecht beherrschte. Einen solchen deutschen Konsens-Künstler hatte es im neuen Jahrtausend zuvor nur mit Udo Lindenberg und danach mit dem Grafen von Unheilig gegeben. In dieser Reihe wird Peter Fox fortan zu nennen sein.

Dann allerdings hat er sich – und das ist ihm hoch anzurechnen – gegen eine Fortführung dieser fulminanten Solokarriere entschieden und gab bekannt, sich (natürlich, und wie schon immer geplant) in die Reihe von Seeed zurück zu begeben. Aber würde das funktionieren? Viele erwarten doch nun eine Art Fox-Revival-Album von der Berliner Band, die mit ihren ersten drei Alben vor allem Fans von Reggae, Dub und Dancehall bediente. Im Grunde genommen liegen die Welten auch gar nicht so weit auseinander. Wenn Peter Fox „Dickes B“ und „Ding“ anstimmte, wackelten die Wände ebenso wie bei seinen eigenen Songs.

Das erste Anzeichen für die neuen Seeed war eine Single mit zwei Stücken: dem neuen Track „Molotov“ (und hier war ganz deutlich zu hören, wie man den Sound beider Seiten zu vereinen suchte) sowie einem Cover des Klassikers „Wonderful Life“. Beides sehr gelungen, einprägsam, üppig instrumentiert und mit dem nötigen Ausrufezeichen raus gehauen.

Weiter ging es mit der Single „Beautiful“, einer typischen Hymne mit Bläsersound, die Tanzbarkeit erzeugte. Was auffällt: Der stetige Wechsel zwischen deutschen und englischen Textzeilen wird wieder zum Markenzeichen der Band. Und vor allem im Deutschen hört man die Vocals von Peter Fox stark im Vordergrund. „Feel For You“ besticht durch orchestrale Momente, „Augenbling“ könnte locker aus den „Stadtaffe“-Sessions stammen, „You & I“ bringt eine gehörige Portion Reggae mit sich und „Seeeds Haus“ gefällt mir sehr mit seiner elektronischen Ausrichtung.

Der Spagat ist gelungen. „Seeed“ ist ein typisches Seeed-Album geworden, das die alten Fans nicht verprellt (nur länger als die aufgeplusterten 39 Minuten hätte es schon sein dürfen) und dazu auch den Anhängern der Solokünstler (ich will neben Peter Fox den reggae-lastigen Dellé nicht vergessen) gefallen dürfte. Vor allem Tracks wie „Deine Zeit“, „Augenbling“, „Seeeds Haus“ und „Elephants“ treffen da schon den richtigen Nerv. Ja, Peter Fox bringt seine gewonnenen Erfahrungen vermehrt mit ein. Das wird überdeutlich. Und doch ist es kein zweites „Stadtaffe“-Album geworden. Das sollte auch niemand erwarten. Solide Kost, die ein wenig zu schnell verspeist ist.