Phoenix liefern kein neues Meisterwerk ab, aber „Bankrupt!“ ist auch keine Bankrotterklärung

VERÖFFENTLICHUNG» 19.04.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Das erste Phoenix-Album nach vier Jahren Abstinenz trägt den Titel „Bankrupt!“ – wir wollen mal hoffen, dass das kein schlechtes Omen ist. Im vergangenen Jahrzehnt hat die Band aus Versailles in Frankreich ihre stetig wachsende Anhängerschar mit solidem Indiepop verwöhnt. 2010 gab es für „Wolfgang Amadeus Phoenix“ gar den begehrten Grammy-Award, den sich das atmosphärische Album absolut verdient hat.

Nach der letzten Tour gab es dann eine lange Phase des Experimentierens. Die Aufnahmen zum neuen Album zogen sich hin, es gab Sessions in New York und Paris – und man merkt, dass die Liebe zum Heimatland das Quartett wieder gepackt hat. Nach dem Meisterwerk muss also etwas ganz Neues folgen. So ließen sich alle Bandmitglieder von ihrer Jugend inspirieren und brachten unterschiedliche Einflüsse mit ein, die die Gefahr in sich bergen, dass das Album recht zerstückelt wirkt. Trotzdem gibt es ganz spannende, progressive Momente. Die fremdländischen Klänge im Opener „Entertainment“, floydeske Elemente im Titelsong „Bankrupt!“, tanzbare Stücke und Anleihen an französischer Filmmusik. Das klingt bisweilen sehr ambitioniert, erreicht aber nicht die Klasse des Vorgängers.

So teilen Phoenix das Schicksal vieler begnadetet Musiker: Wenn man nicht wüsste, was die Franzosen leisten können, würde man „Bankrupt!“ ganz anders beurteilen. Denn sie fabrizieren hier keinen Einheitsbrei, keine austauschbare Popmusik, sondern durchaus vielschichtige Musik. Das 40minütige Album klingt dann am besten, wenn sich Synthesizer und Gitarren zu einem groovenden Sound vermischen.

Die Band will kein politisches Statement abgeben, nichts zur Finanzkrise sagen, einfach nur Spaß haben. Thomas Mars fasst das so zusammen: „Das Ziel ist nicht, rebellisch zu sein, sondern etwas loszuwerden. Denn wenn du das tust, kannst du erleichtert sein und weiter nach vorne gehen.“ Unter diesem Aspekt kann auch ein recht mittelmäßiges Album seinen Zweck erfüllen und inspirieren.

Phoenix Bankrupt! hier bestellen.

Live-Termine:

  • 7. Juni 2013 – Rock im Park
  • 8. Juni 2013 – Rock am Ring
  • 11. Juni 2013 – Hamburg, Stadtpark

[youtube id=“cO2mZewDlZc“ width=“600″ height=“350″]