Pineapple Thief greifen mit „Magnolia“ nach den Sternen

VERÖFFENTLICHUNG» 12.09.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Zu der britischen Band Pineapple Thief habe ich, solange ich mich erinnern kann, ein zwiespältiges Verhältnis gehabt. Es gab immer Songs, die ich super fand, und dann wieder welche, die mich eher enttäuschten. Es gab jedenfalls kein Album, das ich wirklich komplett durchhören konnte. Das zwiespältige Urteil betraf auch die Band live – von den zwei Malen, die ich sie sah, fand ich sie einmal ziemlich verschnarcht (vor vielen Jahren in London) und einmal doch recht nett. Das war letztes Jahr auf dem Night of the Prog Festival, wo sie es innerhalb von wenigen Minuten schafften, die von der Nachmittagssonne gelähmten Massen ordentlich anzuheizen. Bruce Soord, den Mann hinter Pineapple Thief, durfte ich außerdem gemeinsam mit Jonas Renske von Katatonia bei einem Konzert ihres kongenialen Projektes Wisdom of the Crowds erleben. Während Renske sich wie üblich hinter seinen Haaren versteckte, ging Bruce mit seiner Gitarre mördermäßig ab und beeindruckte durch ordentlich Bühnenpräsenz.

Nun liegt zwei Jahre nach dem letzten Studioalbum „All The Wars“ das neue Werk „Magnolia“ vor. Was es kann? Wie es scheint alles! Es passiert mir selten, dass mich ein Album aus dem Stand so mitreißt. Pineapple Thief haben es geschafft, auf „Magnolia“ mit ihrem Können nicht mehr zu kleckern, sondern ordentlich zu klotzen. Das fängt schon mit diesem Knallerbild auf dem Cover an – ein klassisches Frauenprofil in einem Meer aus Blumen, bunt, üppig, wunderschön gemalt. Viele bunte Blumen gibt es dann auch mit den 12 Songs des Albums. Musikalisch sind Pineapple Thief nach wie vor irgendwo zwischen anspruchsvoller Rockmusik und Progpop anzusiedeln. Auch wenn die Nähe zu einigen Bands wie Porcupine Tree aber auch Biffy Clyro hier und da durchklingt, haben sie es nun endgültig geschafft, einen eigenen Sound aus rockigen Gitarren und spacigen Synthies zu kreieren. Maßgeblich für den Sound ist außerdem die vielseitige Stimme Soords, die ich am liebsten mag, wenn sie die ruhigen Töne anschlägt.

Die Songs auf „Magnolia“ sind ziemlich eingängig, in the face und knackig kurz (nur ein Song ist etwas über fünf Minuten lang). Es gibt wenige Balladen (z. B. das romantische „Don’t Tell Me“), dafür ordentlich viele Rocksongs, die durch Dynamik und Einfallsreichtum, aber auch epische Momente zum Träumen glänzen. Ich möchte gar nicht groß auf einzelne Songs eingehen, weil ich finde, dass sie alle relativ gleich stark sind. Wenn ich Favoriten nennen müsste, wären das wohl der Opener „Simple As That“, „Coming Home“ (das für meinen Geschmack noch 10 Minuten länger hätte sein können), „The One You Left To Die“ (Hammer-Ohrwurm!) und „Sense Of Fear“ (geile Synthies!). Ach ja, und „Bond“ für die schönsten romantischen Melodien, die ich seit langer Zeit gehört habe. Müsste ich unbedingt ein Haar in der „Magnolia-Suppe“ finden, dann würde ich wohl „A Loneliness“ auswählen – ein wirklich netter Popsong, aber auch nicht mehr. Aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau. Von mir gibt es auf jeden Fall eine klare Kaufempfehlung für „Magnolia“ und acht von neun möglichen Gummipunkten. (jetzt hab ich während des ganzen Reviews vergessen, die Band als „Ananasdiebe“ zu bezeichnen, dies sei hiermit nachgeholt …)

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