PUR bieten auf ihrem neuen Album einen roten Faden zwischen „Schein & Sein“

VERÖFFENTLICHUNG» 16.11.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Seit „Abenteuerland“ ist jedes ihrer Alben auf Platz 1 der deutschen Charts gelandet. Die Verkaufszahlen allerdings gingen immer weiter zurück. Auch für mich waren die PUR-Alben Anfang der 90er Jahre der Höhepunkt ihrer Karriere. Gefällige Popmusik – natürlich. Von vielen belächelt – klar. Aber das einfache Strickmuster machte die Musik zum beliebten Begleiter auf längeren Autofahrten. Und jedes Konzert war ein Fest voller eingängiger Hits. Der Erfolg ihrer Live-CDs ist ohnehin legendär. Die Alben danach allerdings (ab „Mächtig viel Theater“) stehen nur noch aus nostalgischen Gründen in meinem CD-Regal und finden nur selten den Weg in den Player. „Wünsche“ bezeichnete ich daher nach seinem Erscheinen 2009 als positive Überraschung, denn es bedeutete schon beim ersten Hören eine Rückkehr zum Sound der 90er und die Abkehr vom ambitionierten Gehabe der vorherigen Werke.

Jetzt sind wieder drei Jahre vergangen. Und erstmals gab es in der Bandbesetzung eine tiefgreifende Veränderung, da Schlagzeuger Roland Bless als erstes Mitglied der Ur-Besetzung aus dem Bandgefüge ausgeschieden ist. Das hat jedoch keine nennenswerten Auswirkungen auf den Klang. Musikalisch sind sie dem Sound des Vorgängerwerks und damit ihren Wurzeln treu geblieben. Das Spektrum reicht von melodischen E-Gitarren-Riffs über treibende Bassläufe bis hin zu ruhigen Klavierballaden. Es gibt auch keine längeren Songs mit instrumentalen Umspielungen (das war bei den Titeltracks von „Seiltänzertraum“ und „Abenteuerland“ noch anders). Schade. Doch Tracks wie „Der bestmögliche Versuch“ gehen zumindest in eine rhythmisch versierte Richtung.

Die Wahrung von „Schein und Sein“ ist Hartmut Englers textliches Konzept, das sich durch viele Songs zieht. Den gleichnamigen Opener, das melancholische „Sacre-Coeur“ mit vielen Wortspielen wie dem Blinden vor der Sehenswürdigkeit, das anklagende „Du lügst“ und das sarkastische „Hohlraumversiegelung“. Es gibt sehr ernste Themen wie „Leonie Tamina“, in dem es um ein schwerstbehindertes Mädchen geht. Und auch ein Liebeslied, in dem eine Frau besungen wird. Das hat Tradition bei PUR – neu ist allerdings, dass es sich bei „Lucy“ um eine Katze handelt.

Auch auf ihrem vierzehnten Album vermittelt die Band das typische PUR-Gefühl. Poppige, eingängige Melodien mit der  Thematik des Zwischenmenschlichen. Engler packt kaum heiße Themen an, aber das war auch nicht zu erwarten. Wie immer werden PUR ob triefender Herz-Schmerz-Lyrik und einfacher Songstrukturen polarisieren. Sie werden von vielen belächelt, aber von einer großen Fangemeinde geliebt werden. Wer „Nichts ohne Grund“ und „Abenteuerland“ mochte, wird nicht enttäuscht sein.