Purple Schulz und Schrader erklären uns: „So ist das live!“

VERÖFFENTLICHUNG» 01.11.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Kinder der 80er Jahre kennen Purple Schulz vor allem, weil er so schön schreien konnte. In „Sehnsucht“ hat er damals die Wut und Verzweiflung einer ganzen Generation in die Welt gebrüllt. Die Hits, die danach kamen, waren eher leiserer Natur – ich denke an „Kleine Seen“, „Nur mit dir“ und den Gute-Laune-Klassiker „Verliebte Jungs“. Auch in den 90ern gab es Alben von Purple, die allerdings kaum noch chartrelevant waren. Gut waren sie trotzdem! „haha“, „Spaß beiseite“ und „POP“ – findet sich alles bei mir im Regal.

Dann allerdings gab es eine 15jährige (!) Veröffentlichungspause. Dabei war der Kölner nicht untätig. Er war gemeinsam mit Josef Piek auf unendlich langer Duo-Tour, machte mit Heinz Rudolf Kunze „Gemeinsame Sache“ und wurde fester Bestandteil der beliebten Stunksitzung. Der Wunsch vieler Fans nach einem neuen Album wurde allerdings erst 2012 erfüllt. Die meisten Lieder für „So und nicht anders“ entstanden gemeinsam mit Purples Frau Eri, und für die Aufnahmen holte er sich zahlreiche befreundete Musiker und Sänger ins Studio. Es entstanden 14 unglaubliche Songs mit Leidenschaft und Tiefgang, von denen jeder einzelne schon beim ersten Hören einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.

In der Live-Umsetzung entstand ein neues Duo-Programm in Tateinheit mit Gitarrist Schrader, den Experten von Guildo Horns Combo „Die orthopädischen Strümpfe“ kennen. Wie damals mit Josef Piek bestreitet Purple also das Gros der Konzerte zu zweit. Er selbst mit Stimme und Keyboard, Schrader an der Gitarre und mit gelegentlichem Backgroundgesang. Die Tour dauert noch an, doch wer möchte, kann sich schon mit einer Live-CD und -DVD vergnügen. Titel: „So ist das live!“

Im Tracklisting der DVD finden sich in knapp zwei Stunden Länge ganze 22 Songs. Die erste Konzerthälfte besteht zum größten Teil aus den neuen Stücken. Ein absolutes Highlight gibt es gleich am Anfang mit dem Opener „Ich hab Feuer gemacht“, einem wunderbaren Plädoyer für Kreativität und Mut. Doch nicht alles ist so optimistisch. „Uns kann nix passieren“, „Fragezeichen“ und „Die dünne Wand“ packen so unbequeme Themen wie die gesellschaftliche Gleichgültigkeit und die Krankheitsbilder Demenz sowie psychotische Störungen an. Das ist zum Teil schwere Kost und Purple hat Recht wenn er sich laut fragt: „Kann dieser Spagat zwischen Lachen und Weinen, Leben und Sterben, Albernheit und Tiefgang tatsächlich funktionieren?“ Denn es sind keine depressiven Konzerte, die wir da hören und sehen dürfen. Die beiden Protagonisten haben sichtbar Spaß auf der Bühne und mischen ihr Publikum ordentlich auf. Und ja, das funktioniert ganz hervorragend.

Das Bild der DVD hat jetzt nicht die beste Qualität – okay. Wer ein Hochglanzprodukt mit visuellen Finessen erwartet, dürfte enttäuscht sein. Doch es geht darum, einen Eindruck von den Konzerten zu vermitteln. Das gelingt definitiv. Es macht auch Spaß, sich in die reduzierten Arrangements rein zu hören. Schrader und Purple sorgen jederzeit für eine emotionale Umsetzung. Im zweiten Teil gibt es dann auch die großen Hits von „Schöne Leute“ über „Sehnsucht“ bis hin zu der melancholischen Ballade „Immer nur leben“, die mir immer wieder Gänsehaut erzeugt.

Für die CD-Version musste man einige Titel weglassen. Die DVD aber enthält ein komplettes Konzert und wird ergänzt um Videoclips zu „Ich hab Feuer gemacht“ und „Fragezeichen“. Purple Schulz ist immer noch ein ganz Großer und ich bin tief beeindruckt von seinen Ideen, die nach dreißig Jahren noch genau so frisch sind wie zum Beginn seiner Karriere.

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