Reinhard Mey führt uns durch die „Jahreszeiten“ seiner Karriere – in einer Komplettbox mit den Alben von 1967 bis 2013

VERÖFFENTLICHUNG» 20.12.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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Ein über Ländergrenzen hinweg bekannter Künstler hat das 70. Lebensjahr überschritten und feiert sein 50jähriges Bühnenjubiläum. Was tun? Für einen „Abgesang“ ist es definitiv zu früh – auch wenn das jüngste Album den Titel „Dann mach’s gut“ trug. Reinhard Mey bereitet für 2014 eine Tournee vor, die ihn in 60 große Hallen führen wird und die schon so gut wie ausverkauft ist. Zudem wird er nicht müde zu betonen: „Ich habe mein ganzes Leben lang erzählt, dass ich so lange singen und Lieder machen werde bis ich eine Begegnung mit dem Sensenmann habe.“

Logisch wären eine Best-of-Zusammenstellung oder eine Biographie. Beides gab es schon und Reinhard Mey war nie so ganz zufrieden damit. Seine Biographie erzähle er schon seit 50 Jahren fortwährend in seinen Liedern, sagt er. Und eine Zusammenstellung der besten oder schönsten Lieder könne es allein deshalb schon nicht geben, da er alle seine Lieder immer gleich gern gehabt habe. Es bleibt also nur eins: Eine Werkschau, die alle Alben umfasst, die Reinhard Mey im Lauf seiner Karriere aufgenommen hat. 26 sind es an der Zahl (wenn man die französischen Alben, die Livealben und die Kompilationen mal außen vor lässt).

26 Alben, begonnen mit dem bis heute sehr beliebten Erstling „Ich wollte wie Orpheus singen“ aus dem Jahr 1967 bis hin zum aktuellen Werk. Alle zusammen wurden in eine große Schachtel gesteckt, die eine ganze Menge Bonusmaterial enthält. Zunächst aber die CDs. Jede in einem dem LP-Cover nachempfundenen Digipack. Dann einige Alben zusammengefasst in einer „Dekadenbox“, die jeweils einen Zeitraum von 11-13 Jahren umfasst. Jede kleine Box enthält ein Hardcover-Booklet mit allen Texten aus der jeweiligen Dekade. Allein diese Boxen sind schon einzeln zu erwerben und erlauben es dem Musikhörer, eine bestimmte Epoche nachzukaufen, wenn man den Künstler vielleicht irgendwann aus dem Auge verloren oder (so wie ich) erst spät zu seiner Musik gefunden hat.

Die neusten Werke ab Mitte der 90er Jahre genügen schon heutigen Ansprüchen an die Klangqualität, die älteren Alben wurden allesamt digital remastert und erstrahlen in neuem musikalischem Glanz. Das Werk ist so vielseitig, dass ich nicht zu viele Worte verlieren möchte. Chansons wie „Ich wollte wie Orpheus singen“, satirische Geschichten wie die „Diplomatenjagd“, Schlagerhaftes Marke „Über den Wolken“, biographische Erzählungen namens „Menschenjunges“, „Du bist ein Riese, Max“ oder „Aller guten Dinge sind drei“, Songs über Menschen, die ihm begegnet sind oder die ihn geprägt haben, persönliche Statements auch in aktuellen Titeln wie „Spielmann“ – die Aufzählung könnte unendlich weiter gehen.

Manchmal macht man sich selbst ein Weihnachtsgeschenk – und ich habe mir die Komplettbox gegönnt. Limitiert und nummeriert. Als Bonus-CD gibt es eine Scheibe mit Coversongs anderer Künstler, die Reinhard Mey interpretiert hat. In deutscher, französischer und englischer Sprache. Chansons und Ungewöhnliches (wie der Song „Zauberland“ von Rio Reiser) sind enthalten. Weiterhin eine Bonus-DVD mit einer Zusammenstellung von Fernsehauftritten, zum großen Teil aus Meys Anfangszeit (und damit historisch sehr wertvoll). Ein Kunstdruck des Covers ist mit dabei und ein großformatiges Buch voller Bilder, mit einem Vorwort von Hannes Wader und einer Zusammenstellung historischer Daten durch Antje Vollmer – jeweils ergänzt um biographische Daten von Reinhard Mey. Das ersetzt zwar keine echte Biographie, gibt aber Einblick in die Geschehnisse einer Epoche, die dann mit den in der jeweiligen Zeit erschienen Stücken zusammen hängen. Reinhard Mey hat sich nie vor einen politischen Karren spannen lassen, aber er wurde vom Zeitgeschehen beeinflusst. Das wird hier deutlich.

Die Box ist hingebungsvoll gestaltet und bis ins kleinste Detail durchdacht. Da weiß man die Alben gut aufgehoben. Und zumindest von Reinhards Seite erfüllt sie einen guten Zweck: Er spendet seinen Anteil am Verkauf dieser Edition den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Bleibt jetzt also, sich das Gesamtwerk in chronologischer Reihenfolge anzuhören, um gut auf die Konzerte im Herbst 2014 vorbereitet zu sein.

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