R.E.M. „Green (25th Anniversary Edition)“ – mit ihrem sechsten Studioalbum landete die Band bei einem Majorlabel und veröffentlichte erneut ein ganz großes Stück Musik

BEWERTUNG» 9 / 9
DATUM» 10.05.2013
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Am 21. September 2011 war es dann soweit – nach 31 Jahren, fünf Monaten und 16 Tagen – eine der größten Rockbands der Welt löst sich auf. Man könnte jetzt erstmal ihre unglaubliche Karriere nacherzählen – vom ersten Konzert 1980, über Welterfolge sinnieren wie „Losing My Religion“ (Automatic For The People), den Ausstieg von Schlagzeuger Bill Berry 1997, der steinige Weg „zurück“ in den Jahren danach und so viele noch folgende wunderbare Konzerte und Alben. In all den Jahren seit ihrer Gründung, den ersten kultverdächtigen Verehrungen an den Universitäten, bis hin zu der Stadionband von heute sind sich R.E.M. stets treu geblieben – musikalisch und menschlich. Sie haben den Spagat zwischen Bewahrung von Integrität, der wundersamen Atmosphäre einer kleinen Alternativerock-Band aus Athens, Georgia zu einer der größten Rock´n´Roll Bands unserer Tage geschafft. Verbogen haben sie sich in den 31 Jahren nie!

Und am Scheideweg zwischen Independent und Kommerzialität stand Ende der Achtziger dann der berühmte Plattenvertrag mit Warner, der ihnen einst angeblich 80 Millionen Dollar brachte und eben zu Beginn jenes sechste Studioalbum „Green„, das erste beim Major–Label Warner Bros..Unter die breite Hörerschaft gebracht wurde die Platte im November 1988 und reiht sich damit zum 25. Geburtstag jetzt auch in die R.E.M. Jubiläums-Reissues ein.Die aktuelle Veröffentlichung beinhaltet neben der klanglich überarbeiteten Fassung des Albums noch die Live–CD „Live in Greensboro, 1989″, das vorletzte Konzert der damaligen Tour zur Platte. Bei diesem emotionalen energiegeladenen Auftritt spielt die Band nahezu die komplette aktuelle Platte und durchmischt das Set mit älteren Songs wie zum Beispiel den Klassikern „It´s The End Of The World As We Know It“, „Begin The Begin“ oder „Exhuming McCarthy“. Außerdem liegen dem Album noch Postkarten, ein Poster und neu verfasste Linernotes bei.

Mit „Green“ machte das Quartett aus Athens dann vorsichtig den Schritt in Richtung Pop, ohne auch hier die ganz eigene Indepentent-Attitüde zu verlieren (der erste Song heißt auch gleich „Pop Song 89″) und das Werk ist geprägt von ernsten politischen Themen und sehr stark vom Umwelt–Aktivismus. Diese Platte ist erneut ein Werk, das den Ausnahmestatus dieser Band deutlich macht, eine klangliche Selbstfindung, man verstand endlich die eigenwilligen Texte von Michael Stipe – zumindest die Wörter, deren Bedeutung blieb weiterhin stellenweise rätselhaft und lässt Platz für eigene Interpretationen und Empfindungen. Es war der erste Schritt Richtung etwas Großem. Mit dem Opener, den Songs „Stand“ und „Orange Crush“ beinhaltet dieses Major–Debüt sogar drei der populärsten Radio–Hits der Band. Die alten Anhänger nahmen Stipe, Buck, Mills und Berry spätestens mit dem eindringlichen „World Leader Pretend“, für viele ein Highlight der Platte und einziger abgedruckter Text im Booklet, mit auf die neue Reise in die große weite Welt, raus aus den Clubkellern in Amerikas Kleinstädten. Peter Buck spielt auf „Green“ erstaunlich oft auf der Mandoline, zum Beispiel im Song „Hairshirt“ der gefühlt nur aus der einzigartigen Stimme von Stipe und der Mandolinenbegleitung Bucks besteht.

In der zweiten Hälfte des Albums haben R.E.M., so scheint es, die ersten Gehversuche in Richtung tanzbarem Popsong hinter sich gebracht und die Gitarren werden wieder stellenweise härter, verzerrt, der Gesang und die Lyrics nachdenklicher und mit dem (vorläufig) abschließenden rockigen Stück „I Remember California“ atmen dann alle Skeptiker wieder auf. Am Ende haben die vier ehemaligen Studenten aus Georgia auf ihrem sechsten Album, nach dem grandiosen „Document“, einen Schritt in eine andere Richtung gewagt, sind sich aber wie bis zu ihrem Karriereende treu geblieben. „Green“ reiht sich nahtlos ein in eine Reihe großer Alben einer beispiellosen Band – zu Recht heute 25 Jahre nach der ersten Veröffentlichung ein Klassiker.

REM Green (25th Anniversary Edition) Boxset Cover

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