Revolverheld sind „Immer in Bewegung“ und erzeugen „Worte die bleiben“

VERÖFFENTLICHUNG» 20.09.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Es hat sich einiges verändert im Hause Revolverheld. Das mag daran liegen, dass es auf dem letzten Longplayer mit „Halt dich an mir fest“ einen respektablen Mainstream-Hit gab, der nicht mehr nur die übliche Bande pubertierender Jungs und Mädels ansprach (so wie weiland das allgewaltige „Scheiß auf Freunde bleiben“), sondern Revolverheld den Konsens über viele Generationen einfuhr. Danach war erst mal ein Verschnaufen nötig, das Leadsänger Johannes Strate und Gitarrist Kris Hünecke für die Veröffentlichung respektabler Solo-Alben nutzten. Also nix mit Ausruhen.

Das vierte Album trägt den Titel „Immer in Bewegung“ und dieser mag sinnbildlich für die Veränderungen stehen, die es zu vermelden gilt. Da wäre zunächst die personelle Randnotiz, dass das Quintett zum Quartett geschrumpft ist, weil Bassist Flo die Band kürzlich verließ. Interessant ist aber auch die erste Single-Auskopplung „Das kann uns keiner nehmen“. Ein musikalischer Ausflug in die Vergangenheit, ein melancholischer Rückblick. Böse Zungen werden sagen, dass dieser Song frappierend an Wingenfelders „Klassenfahrt“ und an das Toten-Hosen-Alterswerk „An Tagen wie diesen“ erinnert. Ich sage: Es tut Revolverheld hörbar gut, in dieser Liga mitzuspielen.

Ebenso in die Vergangenheit blickt der Track „Bands deiner Jugend“ und ich kann jede Zeile mit empfinden, wenn es darum geht, welche Musik man heutzutage hört: „Die Bands deiner Jugend haben sich längst schon aufgelöst; und die anderen machen komischen Elektro“. Die vier Jungs sind gemeinsam zu Männern geworden und ihre Musik klingt nun weicher, melodischer, ohne aber den rockigen Ansatz zu verlieren.

Die einzigen wirklich schnellen Stücke sind der Opener „Immer in Bewegung„, der genau so hyperaktiv klingt wie sein Thema, und das energische „Wir schmeißen unsere Herzen ins Feuer“. Darüber hinaus bleibt es durchweg ruhig. Balladen wie „Ich lass für dich das Licht an“ und „Sommer in Schweden“ erzeugen wohlige, romantische Stimmung. „Worte die bleiben“ bezaubert mit sehr starken, poetischen Zeilen. „Lass uns gehen“ verursacht eine schwermütige Aufbruchsstimmung und „Hinter der Elbe New York“ zeigt sehr anschaulich, wie sich eine Beziehung über die Jahre verändert („Wir beiden waren mal ‘ne Weltstadt; und jetzt sind wir nur noch ein Dorf“).

Revolverheld gehen das zweite Jahrzehnt ihres Bestehens forsch an und fassen die Erfahrungen des Älterwerdens, der neuen Bodenständigkeit in den Mitt-Dreißigern in eingängige Melodien und nachvollziehbare Texte. Johannes, Kris, Niels und Jakob bleiben in Bewegung – und schaffen es, ihre Hörer zu bewegen.

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