Rise Against „The Black Market“ – Introspektion ohne erhobenen Zeigefinger

VERÖFFENTLICHUNG» 11.07.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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In den vergangenen 15 Jahren sind Rise Against zweifellos zu einer der größten, erfolgreichsten und anspruchsvollsten Punkbands der Welt avanciert. Abseits der Musik sind Tim McIlrath und seine Bandkollegen Joe Principe, Zach Blair und Brandon Barnes auch politisch sehr aktiv. Neben ihrem jahrelangen Engagement für peta wirkten sie u.a. bei der „Chimes Of Freedom – The Songs Of Bob Dylan Compilation“ von Amnesty International mit, haben sich mit der „Demand A Plan“-Bewegung gegen Waffengewalt engagiert oder im Rahmen des „It Gets Better Project“ mit ihrem Song „Make It Stop (September’s Children)“ gegen Homophobie und Mobbing stark gemacht. Mit einem Teaser-Video, das sie auf ihrer Website veröffentlichten, hat das Quartett aus Chicago Anfang Mai die scheibchenweise Ankündigung seines siebten Albums „The Black Market“ begonnen. Im Juni folgte dann die Single „I Don’t Want To Be Here Anymore“ als erster hörbarer Vorbote der insgesamt zwölf neuen Songs, die im Blasting Room-Studio in Fort Collins/Colorado unter tätiger Mithilfe der All- und Descendents-Mitglieder Bill Stevenson und Jason Livermore entstanden sind.

Das Albumcover erinnert zunächst ein klein wenig an „The Black Swan“ von Darren Aronofsky, aber vom Ballett ist Rise Against natürlich ebenso weit entfernt wie Honduras vom Gewinn des WM-Titels. Auch wenn sie inzwischen den dreckigen Punk-Appeal ihrer Anfangstage gegen eine gemäßigtere Alternative-Variante eingetauscht haben. Es bleibt jedoch nach wie vor genug Wut und Melancholie übrig, um solche Genrekollegen wie etwa The Offspring oder Green Day zu harmlosen Kirmeskapellen zu degradieren. Vor allem haben Rise Against eine Botschaft, die weit über das Schlagerpunk-Gehabe der Vorgenannten hinausgeht. „Rise Against war schon immer eine politische Band, aber eben auch eine Band, die sehr persönliche Themen in den Songs verhandelt“, bringt es Tim McIlrath auf den Punkt.

Fette Gitarren, satte Drums und das charakteristische Organ von McIlrath sorgen dafür, dass sich die Punk-, Alternative- und Hardcore-Jünger bereits beim Opener „The Great Die-Off“ vor Freude in den Armen liegen dürften. „I Don’t Want To Be Here Anymore“, „The Eco-Terrorist In Me“ oder das Titelstück könnten zu weiteren Verbrüderungen führen, „A Beautiful Indifference“ oder „Awake Too Long“ zu purer Euphorie. „Zero Visibility“, „Sudden Life“ und „Methadone“ sind schlechtestenfalls solide und damit immer noch weit über dem Durchschnitt. Einzig die etwas leblose Akustik-Ballade „People Live Here“ passt da nicht so ganz ins Bild, tut aber auch nicht weh. Ernstzunehmende musikalische Ausfälle sucht man vergeblich.

Thematisch setzt sich „The Black Market“ mit dem Preis auseinander, den man als Mensch dafür zahlen muss, sich seiner selbst bewusst zu sein. Introspektion nennt man das in Fachkreisen (habe ich mir sagen lassen). Es ist diese Mischung aus massiven Hooks und universellen Themen wie die Terror-Angst der USA oder die Occupy-Bewegung, die Rise Against so einzigartig macht. Dabei wirken Tim McIlrath und Co. stets authentisch. Den erhobenen Zeigefinger überlassen sie anderen.

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