Rock’n’Roll pur: The Whigs mit „Enjoy The Company“

VERÖFFENTLICHUNG» 08.03.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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So beschissen und größtenteils kotzlangweilig das Musikjahr 2012 auch war… das Musikjahr 2013 beginnt mehr als vielversprechend. Da gibt es bereits das grossartige Selig-Album „Magma“, natürlich das hymnenstrotzende „Opposites“ von Biffy Clyro, ja selbst die fast vergessene Schlaftablette Ben Harper schwingt sich an der Seite von Charlie Musselwhite zu neuen musikalischen Großtaten auf. Und nun legen The Whigs mit „Enjoy The Company“ einen Longplayer vor, der so verdammt geil nach handgemachtem Rock’n’Roll klingt, als sei er mit der Zeitmaschine von Doc Brown geradewegs aus den Neunzigern in die Gegenwart katapultiert worden.

Auf seinem vierten Album hat das Trio aus Athens, Georgia eine deutlich hörbare Weiterentwicklung vollzogen. Vor ein paar Jahren habe ich Sänger und Gitarrist Parker Gispert, Schlagzeuger Julian Dorio und Timothy Deaux am Bass live im Kölner Luxor gesehen und schon damals war das grosse Potential des Dreierpacks erkennbar. Endgültig freigelegt hat es jetzt ein Veteran auf dem Produzentenstuhl: John Agnello, der vorher Genregrössen wie Dinosaur Jr. oder Sonic Youth den letzten Schliff verlieh. Gemeinsam pilgerte man in die Dreamland Studios nahe Woodstock, New York, um in einer umgebauten Kirche die zehn Songs von „Enjoy The Company“ aufzunehmen. „Dort gab es keine Freundinnen und keine Bars um auszugehen. Nur uns und die Musik“, erzählt Timothy Deaux. Ohne derlei störende Ablenkung nahmen The Whigs ein Monster von einem Album auf.

„Staying Alive“ ist dessen über acht Minuten langer und ebenso programmatischer wie grandioser Auftakt. Schneidender Rock’n’Roll, mit einem Status Quo-Gedächtnisriff, hier allerdings von einer Bläsersection untermalt und von einem wilden Gitarrengewitter unterbrochen. „Gospel“ und „Summer Heat“ stehen hingegen in der Tradition des amerikanischen College Rock. Da lassen die Nachbarn von R.E.M. fröhlich grüssen, während bei „Tiny Treasures“ die Smashing Pumpkins und die alten Agnello-Buddies Sonic Youth um die Ecke schielen. „After Dark“ fühlt sich an wie ein langsamer Gang durch die Kneipe, breitbeinig, mit einem Bier in der Hand, der Kippe im Mundwinkel und einem fetten Grinsen im Gesicht. Kurz: Cool! „Couple Of Kids“ macht da weiter, nur dass jetzt alle mitgehen. Kurz: Extrem cool!

Dazwischen liegt die galoppierende erste Single „Waiting“ (hier geht’s zum Video) und „Rock And Roll Forever“, das tatsächlich genauso klingt wie es heißt. Testosteron rules! Zu „Thank You“ kommt dann so etwas wie Lagerfeuerromantik und Spieluhrgemütlichkeit auf, aber selbst das wirkt bei The Whigs absolut passend. So als hätten sich ein paar Freunde zum spontanen Jam getroffen. Der Closer „Ours“ sollte dann wohl die Quotenballade auf „Enjoy The Company“ werden, doch dafür können die Jungs einfach zu wenig die Füße still halten. Will sagen: Nach hinten raus explodiert das Ding doch noch. Wie das gesamte Album.

Man hört „Enjoy The Company“ bei jedem Ton den immensen Spass an, den Gispert, Dorio und Deaux während der Aufnahmen gehabt haben müssen. Zu Zeiten von Doc Brown nannte man das Garagenrock. Nach diesen viel zu kurzen 37 Minuten ist der Tag definitiv dein Freund. Wer The Whigs also bisher nicht kannte, der sollte sie schleunigst kennenlernen, denn diese Songs sind für die Bühne gemacht. Im Mai/Juni kommen sie auf Tour. Enjoy!