Rotzig, roh, reißt mit – Whatever mit „what do you expect“

VERÖFFENTLICHUNG» 10.01.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Ach, was waren die 90er Jahre doch für eine wohltuende Musikzeit für den Punkrock. Man nehme alleine das Jahr 1994: (Noch) niemand nannte Green Day „Kommerzschweine“, Greg Graffin skandierte „Sometimes truth is stranger than fiction“ in sein Mikrofon und NoFX setzten sich mit „Punk In Drublic“ ihren längst verdienten Meilenstein. Millencolin, Rancid oder The Offspring komplettierten mit ihrer Musik diese goldene Zeit einer nun längst vergangenen Epoche.

Als die ersten Powerchords der Band „Whatever“ aus Köln erklingen, fühlt man sich kurz in diese Zeit zurück versetzt. 2006 wurde die Band in der Domstadt gegründet und bringt mit „what do you expect“ ein Album heraus, was durchaus das Potenzial für einen Durchstart hat.

Eingängige Riffs, intelligente Lyrics und peitschender Gesang schallen einem beim Opener „Wake Up” entgegen. „Hey!“ geht gesellschaftskritisch und mit einer düsteren Zukunft voraus. Gerade bei diesem sind wunderbar die Einflüsse  von Bad Religion zu erkennen, ohne dass es nach direkter Kopie klingt. Bei „What do you expect“, dem wohl besten Song der Platte will man sich geradezu mit Bier bewaffnen, sich in einen riesigen Pit prügeln und nicht ohne blutige Nase wieder aus dem Irrgarten der fliegenden Fäuste heraus kommen.

Insgesamt kann das Album einiges reißen. Den einzigen kleinen Vorwurf, den man der Band machen könnte, ist die Tatsache, dass die Anfänge der Lieder eine gewisse Ähnlichkeit vorweisen. Direkt wird mit Anlauf voll auf die zwölf gehauen. Ein Moment, wie wenn der Gitarrist die ersten Töne eines Liedes anstimmt und das gesamte Publikum kurz aufschreit, weil man genau auf diesen einen Song gewartet hat, bleibt aus. „There was a Time“ kommt da noch am ehesten an. Vielleicht wollte man sich solche Momente auch für die folgenden Alben aufsparen. Nicht umsonst waren sie der Support von No Use For A Name, bei einer ihrer letzten Touren in Europa. Laune macht das Album alle Male und ist weit mehr als eine Hommage an die 90er Jahre.