RPWL bündeln Religionskritik in einem komplexen Werk mit dem Titel „Wanted“

VERÖFFENTLICHUNG» 14.03.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Progressive Rock ist in Deutschland immer noch eine vernachlässigte Nische. Das war nicht immer so. Schließlich zählt auch der weltweit bekannte Krautrock dazu und die alten Herren von Tangerine Dream, Grobschnitt und Eloy sind heute noch sporadisch aktiv. Doch an jüngeren Bands fallen mir spontan vor allem Sylvan und RPWL ein, die die Krone des deutschen Artrock mit jeder Veröffentlichung wechselseitig vom Norden in den Süden und wieder zurück reichen.

RPWL stammen aus Freising und begannen mit einem Sammelsurium an Pink Floyd-Fragmenten, bevor sie sich eigenen Stücken zuwandten. Diese waren soundgewaltig und melodisch im Stil der großen Vorbilder. Zwischenzeitlich gab es aber auch gewagte Klangexperimente, bevor die Band um Yogi Lang und Kalle Wallner sich mit „Beyond Man And Time“ wieder auf alte Tugenden besann. Viele ihrer Alben sind Konzeptalben. Und da liegt eine große Stärke des Quintetts: Man erzählt musikalische Geschichten mit spannendem Inhalt.

Das neue Werk trägt den Titel „Wanted“ und die fünf Protagonisten schauen recht bedrohlich vom Cover herab. Der Inhalt der Lyrics ist dann auch sehr komplex: Es wird erzählt von Guiseppe Garibaldi, der sich mit den Tagebüchern des Hippokrates auseinander setzt und dort eine Rezeptur findet, um den Geist des Menschen in eine freie Welt ohne Illusionen zu führen. Quasi das Geschenk der absoluten Freiheit, die auch keine Religion mehr braucht. Man befreit die Menschheit mittels dieses Medikaments und lenkt den Zorn der Weltreligionen auf sich. Ein sehr gewagtes, philosophisches Album also, das sich mit starken Worten gegen die institutionelle Religion richtet.

Solch komplexe Thematik braucht auch komplexe Musik – und dafür stehen RPWL seit Jahrzehnten. „Wanted“ liefert feingeistige Songs, große Hymnen, melodische und verspielte Parts. Kein Wunder, dass immer wieder Vergleiche mit Pink Floyd aber auch mit modernen Genre-Vertretern wie Gazpacho heran gezogen werden. Stimmlich ist Yogi Lang eine Wucht. Das Gitarrenspiel von Kalle Wallner muss man einfach floydesk nennen. Und die Keyboard-Arbeit von Markus Jehle liefert viele Nuancen. Da gibt es zu erwartende progressive Kracher wie den Titelsong „The Wanted“, aber auch das sehr wuchtige, sehr bedrohliche „The Attack“. RPWL haben ihre ganzen Kräfte gebündelt und ein beeindruckendes Werk vorgelegt. Vielleicht eines ihrer Bestes. Zumindest wächst es mit jedem Hördurchgang weiter.

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