Rush, nach 5 Jahren endlich das neue Album „Clockwork Angels“

VERÖFFENTLICHUNG» 08.06.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
ARTIST»
LABEL»
  bei Amazon bestellen

Kaum zu glauben – es ist schon wieder fünf Jahre her, dass der letzte Meilenstein der kanadischen Progger erschienen ist. „Snakes & Arrows“ war das Lebenszeichen aus dem Jahr 2007 – von einer Band, gegründet im Jahr 1968, aber frisch wie eh und je. Und die Geschichte wiederholt sich. Fünf Jahre zuvor gab es das erstaunlich harte „Vapor Trails“. Diese im neuen Jahrtausend eingeschlagene Linie verlassen Rush auch mit „Clockwork Angels“ nicht. Alex Lifeson, Geddy Lee und Neil Peart spielen sich die Seele aus dem Leib und lehren alle Prog-Helden der Neuzeit das Fürchten.

Die ersten Albumsongs „Caravan“ und „BU2B“ waren schon länger bekannt, wurden bereits 2010 auf der „Time Machine Tour“ gespielt und im EP-Format veröffentlicht. Solide Tracks, die das Begonnene unbeirrt fort führten und die Fans auf ein schnelles Nachsetzen hoffen ließen. Letztlich hat es dann doch länger gedauert – was an dem Wechsel der Plattenfirma hin zu den rührigen Roadrunner Records gelegen haben mag. Das Ergebnis entschädigt jedenfalls für die Wartezeit.

Schon der Titeltrack zeigt Rush von ihrer besten, epischen Seite. Man überlässt nichts dem Zufall und führt die Hörer in eine Fantasy-Welt, die SF-Autor Kevin J. Anderson in naher Zukunft auch per Roman entstehen lassen will. Es geht um die Reise eines jungen Mannes durch einen farbenfrohen Kosmos des Steampunk und der Alchemie – voller Begegnungen mit verlorenen Städten, Piraten, Anarchisten, exotischem Karneval und einem Uhrenmacher.

So extravagant dies erscheinen mag: die Musik ist für Rush fast schon ungewöhnlich straight. Rockig, bisweilen mit harten Klängen („Carnies“) und ohne viel Keyboard-Einsatz. Wer aber beispielsweise Reminiszenzen an ein Meisterwerk wie „2112“ erwartet, darf sich trotzdem freuen. Das Cover zeigt die Uhrzeit 21.12 h – und solcherlei Symbolik ist natürlich gut durchdacht. „Seven Cities Of Gold“ und „Headlong Flight“ führen geradewegs in die Glanzzeiten der 70er Jahre zurück und die alten Herren spielen all ihre Stärken aus.

Ganz zum Abschluss gibt es die sanfte Ballade „The Garden“ – voller akustischer und orchestraler Momente.  Und wieder endet ein geniales Album. Von Müdigkeit und dem Ausruhen auf Rekorden (Rush ist nach den Beatles und den Rolling Stones die Band mit den drittmeisten Gold- und Platinalben in Folge) keine Spur. Und sie dürfen ewig so weiter machen – denn ein wirklich schwaches Album der Kanadier gibt es einfach nicht. Für den Sommer 2013 sind deutsche Live-Termine an gekündigt. Noch ein Jahr warten, dann können wir das Trio in der Kölner Lanxess Arena (4.6.2013) und in der Berliner O2 World (6.6.2013) bewundern.