Saga neues Album 20/20 mit Michael Sadler

VERÖFFENTLICHUNG» 06.07.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Michael Sadler ist zurück bei Saga. Das ist vielleicht die wichtigste Meldung zum neuen Album – doch Freunde der Band wissen schon lange Bescheid, spätestens seit der Co-Headliner-Tour mit Marillion, die im letzten Jahr stattfand. Blöd für Rob Moratti, der drei Jahre lang als Lückenbüßer fungierte, in meinen Augen einen Superjob machte, aber der großen Fanschar Michael Sadler nicht ersetzen konnte. Das Album „The Human Condition“ bot guten Prog im Stil von Bands wie Sylvan oder Spock’s Beard. Morattis Stimme klang ganz anders als die des Vorgängers, was auch eine gute Wahl war. Jetzt muss er sich wohl vorkommen wie Ray Wilson damals bei Genesis: Der Meister will zurück zu uns – du hast deine Schuldigkeit getan.

Also Schlussstrich. Es gibt ein neues Album – vielleicht eines der besten in der langen Diskographie. Der Titel „20/20“ ist mehrdeutig: Das zwanzigste Album der Band. Gleichzeitig medizinischer Begriff für perfekte Sehkraft und damit ein Wunsch für Jim Gilmour, der während der letzten Tour ausfiel und fast sein Augenlicht verlor.

Am Samstag durfte ich die Band live auf der Loreley erleben und es war eine Offenbarung. Einen perfekten Sound ist man schon gewohnt. Und einen der charismatischsten Frontmen des Prog hatten Saga mit Michael Sadler schon immer. Überraschend fand ich vor allem die abwechslungsreiche und gut durchdachte Setlist. Da war nichts zu spüren vom ewig gestrigen Best-of-Abspulen der letzten Tourneen. Stattdessen ein Querschnitt durch viele Alben unter Berücksichtigung des selten gespielten „Generation 13“. Und tatsächlich zwei Tracks vom neuen Werk!

„Six Feet Under“ und „Anywhere You Wanna Go“ eröffnen die neue CD und zeigen uns eine wieder erstarkte Truppe mit markanten Gitarrenriffs, gewagtem Synthesizer-Einsatz und den ach so typischen Vocals. Prägnanter geht es kaum. Sadler ist nun mal ein begnadeter Sänger und was die anderen drum herum spinnen, ist handwerklich perfekt. Viel Rock, einige Balladen, insgesamt nicht so komplex wie Sagas Meisterwerke, aber doch sehr solide. Mir gefallen vor allem die Arrangements von „One Of These Days“ und „Lost For Words“. Mal sehen, ob es neben den beiden Eröffnungstracks noch weitere Songs in den Liveset schaffen. Ab Oktober gibt es eine große Deutschland-Tour!