Samuel Harfst – ein „Schritt zurück“ in die richtige Richtung

VERÖFFENTLICHUNG» 28.09.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Bekannt wurde die Band als Truppe von Straßenmusikern, die nicht nur Deutschland, sondern auch die Strände Australiens mit ihrer Musik unsicher machten. So ist es nur ein kleiner Schritt zum Weltrekord: Bei der Popkomm 2010 in Berlin schaffte man mit dem „längsten Straßenkonzert der Welt“, das ganze 24 Stunden (!) dauerte, den Eintrag ins Guinness-Buch. Zu den zahlreichen Musikern und Künstlern, die das Trio um Samuel Harfst für kleine Session-Einlagen tatkräftig unterstützten, zählen neben den beiden Sängern und Songwritern Pohlmann und Erik Penny die befreundeten Straßenmusiker Tobias Hundt, Timothy Lucey und Robert Laupert.

Ursprünglich nannte die Band sich noch Samuel Harfst Trio, was wahrlich ein wenig elitär und sperrig klingt. Die Reduktion auf den Namen des Sängers und Songwriters tut also gut, wenn auch die Gefahr besteht, dass so allgemein der Eindruck entsteht, es sei ein Solokünstler mit Sessionmusikern am Werk. Sei’s drum – wir wissen ja, dass Samuel Harfst neben dem Frontmann noch aus David Harfst am Schlagzeug sowie Dirk Menger an Klavier und Bass besteht. Zusammen legen sie nun schon das sechste Album hin. Und auch wenn es „Schritt zurück“ heißt, machen sie doch wieder einen großen Sprung vorwärts.

Die Musik des Trios ist nichts für immer-fröhliche Gemüter. Samuel Harfst singt sehr melancholisch. Selbst optimistische Songs wie „Auf dein Wort hin“, „Komm wir stehlen uns davon“ und „Wenn du es auch so siehst“ haben einen sehr nachdenklichen Beigeschmack. Die Instrumentierung ist sehr spärlich – als würde man das Trio live in der Fußgängerzone hören – und gefühlvoll. Akustische Gitarrenklänge, ein sanft angeschlagenes Piano. Keine ausufernden Arrangements. Alles bleibt kleinklein und in sich selbst versunken.

Größtes Wagnis: Eine Neuvertonung der deutschen Nationalhymne. Sowas kann böse ins Auge gehen, doch Samuel Harfst schaffen den Balanceakt mit Bravour. Eine schlichte Version mit neuer, ganz und gar nicht hymnischer Melodie. So könnte auch Philipp Poisel sein Heimatland besingen. Das geht unter die Haut – so wie die meisten Songs des Albums. Stimmig, aufgeschlossen und bisweilen einfach nur schön.