Santiano fahren „Mit den Gezeiten“ durch die raue See

BEWERTUNG» 7 / 9
DATUM» 10.05.2013
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Da wehte im vergangenen Jahr ein raues Lüftchen aus dem Norden über unser Land. Santiano stammen aus Flensburg und legten gleich mit ihrem Debüt einen Sprung auf den Spitzenplatz der deutschen Charts hin. Das erste Album trug den Namen „Bis ans Ende der Welt“ und die Mischung aus nordisch angelegten Schlagern mit Irish Folk und Shanty-Musik schien hervorragend zu funktionieren. Das Ergebnis beeindruckte Schlager-Fans ebenso wie Freunde von Seemannsliedern und gestandene Rocker. Sowas nennt man mal Konsens auf hohem Niveau.

Das zweite Album trägt den Titel „Mit den Gezeiten“ und führt die eingeschlagene Linie konsequent fort. Diesmal wurden fast alle Titel von dem Produzententeam um Hartmut Krech selbst geschrieben und auf die raubeinigen Gesellen zugeschnitten. Es gibt zwei bekannte Coverversionen: Zum einen „All You Zombies“ (The Hooters) mit neuen, deutschen Lyrics unter dem Titel „Bis in alle Ewigkeit (Walhalla)“ und Bob Geldofs Hymne „Great Song Of Indifference“ im englischen Original. Dazu kommen Traditionals wie das irische Anti-Kriegslied „Drums And Guns – Johnny I Hardly Knew Ya“.

Die deutschen und englischen Texte handeln von der Weite des Meeres, von Seemansbräuchen in allen Lebenslagen, von Liebeskummer und Sehnsucht. Dabei zeigt sich das Quintett wieder erstaunlich vielseitig, schmettert Shanty-Lieder zum Mitsingen wie „Gott muss ein Seemann sein“ und „Seemann“, bietet ein trauriges Duett mit dem Titel „Gestrandet“ (weibliche Verstärkung: Synje Norland) oder erzählt eine ironische Liebesgeschichte namens „Marie“. Dazu kommt ein Song wie „Sieben Jahre“, in dem die Sänger ihre sonoren Stimmen voll ausleben können. Im Instrumentalbereich ist Peter Sage hervor zu heben, der das folkige Klangbild mit Geigen, Akkordeon und Tenorbanjo bereichert.

Hier stimmt einfach das Konzept. Männer mit Bärten und wildem Blick singen von den letzten Abenteuern unserer Zeit. Eine Entdeckungsreise, die dazu führt, dass sie ins Vorprogramm von Helene Fischer genau so gut passen wie auf die Kreuzfahrt „Heavy Metal Cruise“. Wer diesen Spagat schafft, wird das Schiff auch diesmal wieder solide durch die stürmischen Gewässer der deutschen Charts steuern.


Santiano — Gott muss ein Seemann sein – MyVideo