Schiller – Opus: Christopher von Deylen versucht sich an einer Klassik-Elektronik-Melange

VERÖFFENTLICHUNG» 30.08.2013
BEWERTUNG» 5 / 9
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Da hat sich der gute Christopher von Deylen gedacht, er macht mal was ganz Neues und – zack! – hacken alle auf ihm rum. Wie… keine bekannten Popkünstler mit im Boot? Wie… kein radiotaugliches Material am Start? Und… was soll das ewige Klavier-Geklimpere? Richtig. Schiller versucht sich beim neuen Projekt „Opus“ an einer Mischung aus klassischer und elektronischer Musik. Das hört sich in vielen Fällen recht gewöhnungsbedürftig an, ergibt aber letztendlich eine atmosphärische Mischung, die an manchen Stellen an die Kompositionen von Ludovico Einaudi („Ziemlich beste Freunde“) erinnert.

Und darum geht es von Deylen vermutlich: um das Schaffen einer entspannten, ruhigen Atmosphäre. Ob man dafür unbedingt auf Stücke wie den „Schwanensee“, Rachmaninoffs „Rhapsody On A Theme Of Paganini op. 43“ und Debussys „Reverie“ zurück greifen muss, sei dahin gestellt. Schon die einleitenden und abschließenden Klänge von „Opus“ erinnern frappierend an U2s „Where The Streets Have No Name“. Was soll’s – gut geklaut hat (außer bei Doktorarbeiten) noch nie geschadet.

Alles in allem plätschert das Album allerdings ziemlich vor sich hin. Klassik hier – elektronische Einsprengsel da. Interessant wird es vor allem dann, wenn die musikalischen Gäste mit ins Boot kommen. Da lag schon immer Schillers Stärke: Die Pianistin Hélène Grimaud  interpretiert Saties „Gymnopädie No.1“ und das hört sich wirklich groß an. Hinzu kommt der gesangliche Einsatz der Sopranistin Anna Netrebko in Edvard Griegs „Solveig’s Song“. Stimmlich astrein, aber klingt mir in dem Zusammenhang zu gestelzt.

Was bleibt als Eindruck? Schillers „Opus“ ist weder Fisch noch Fleisch. Die Vermengung der Genres ist als Effekt ganz nett, aber das haben andere auch schon gemacht. Von Deylens Ambient-Alben und die Einbeziehung stimmgewaltiger Popkünstler (die zum Teil erst durch ihn so richtig bekannt wurden) hat mich da mehr beeindruckt.