Schiller und seine sphärische Reise in Richtung Sonne

VERÖFFENTLICHUNG» 05.10.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Guten Abend, herzlich willkommen in der neuen Welt von Schiller – mit diesen Worten beginnen traditionsgemäß die Studioalben des Hamburger Künstlers Christopher von Deylen. Den Namen Schiller hat der Musiker, Komponist und Produzent 1998 gewählt, als er von Schillers Gedicht „Die Glocke“ zu seiner ersten Single „Glockenspiel“ inspiriert wurde, mit der er kurz darauf die Charts stürmte. Damals noch ein Nischenprodukt, dem kaum jemand große Chancen einräumte, gehört Schiller nun zu den bekanntesten deutschen Chartbreakern und fährt ein Nummer 1-Album nach dem anderen ein. Grund dafür sind sicher seine Liebe zum Detail und die hochwertigen Produkte in vielerlei Variationen, die er regelmäßig auf den Markt bringt. So erscheint auch das neue Werk „Sonne“ in allerlei Variationen, beispielsweise als Paket inklusive Doppel-DVD mit zwei Konzertfilmen von der letzten Tour.

Doch bleiben wir zunächst bei der Musik: Der Titel „Sonne“ implizierte schon, dass es sehr sphärisch werden könnte. Der erste Videoclip „Solaris“ bestärkte den Eindruck. Von Deylen entführt uns in den Weltraum und sein mittlerweile siebtes Studioalbum klingt in weiten Teilen wie der Soundtrack zu einem SF-Film. Nicht heroisch und actionlastig, sondern verträumt und nachdenklich – so wie die Werke von Kubrick. So schafft er wieder eine wundervolle Atmosphäre, einen perfekten Raumklang, der sich akustisch manifestiert und dem man (am besten per Kopfhörer) einfach nur zuhören möchte.

Die Tracks sind überwiegend instrumental. Doch wie immer hat sich Schiller auch einige Gastsänger eingeladen und damit die Elite versammelt, allen voran den Grafen von Unheilig, der den Titeltrack singt. Ein schönes Stück – vielleicht etwas profan in der textlichen Aussage, aber überaus passend zu den Lebensweisheiten, die Unheilig gerne von sich geben. Adam Young ist für „Alive“ mit dabei. Ebenfalls ein elektronischer Solokünstler, besser bekannt unter dem Projektnamen Owl City. So unbeschwert und luftig-leicht wie sein größter Hit „Fireflies“ hört sich auch der Schiller-Titel an. Das passt. Beeindruckend ist aber vor allem die Stimme von Meredith Call, die mehrere Stücke einsingt. Pierre Maubouché sorgt für einen frankophilen Touch („Soleil de nuit“) und auf der 2 CD-Version ist auch Andrea Corr von The Corrs mit dabei. Die Dichte potentieller Singlehits ist damit mal wieder sehr groß.

Wenn man sich für die Deluxe Edition entscheidet, erhält man die einfache CD mit 16 Titeln und eine DVD, die sowohl den Clip „Solaris“ als auch einen umfangreichen Konzertmitschnitt von der „Klangwelten“-Tour enthält. Pure Elektronik, das sei noch gesagt. Damit wandelt Schiller zielsicher auf den Spuren von Jean-Michel Jarre. Das kann er in riesige Hallen mit entsprechendem Equipment. Doch von Deylen scheut auch nicht den Weg in die kleinen Clubs. Um das zu sehen, braucht man die Limited Super Deluxe Edition. Solche Namen nerven, aber der Inhalt stimmt: Es gibt nämlich die 2 CD-Version des Albums (29 Titel) und zusätzlich zur Klangwelten-DVD noch eine zweite mit Namen „Clubwelten live“. Hier genießen wir ein Konzert in reduziertem Rahmen und mit Kate Havnevik als wundervolle Sängerin. Der Variantenreichtum, mit dem Schiller die von vielen leider immer noch als als öde empfundene elektronische Musik präsentiert, ist einfach überwältigend.

Was will man noch mehr? Von Deylen hat bewiesen, dass am Namen Schiller in der elektronischen Musik kein Weg vorbei führt. Was der geneigte Hörer dabei für sein Geld geboten bekommt, ist unvergleichlich. Klar, das Digipack mit CD & DVD enthält schon viel Gegenwert fürs Geld, aber es bietet halt nur den halben Genuss des neuen Albums. Da darf es dann doch das Wahnsinns-Paket im Din A5-Format sein, mit Doppel-CD, Dopple-DVD und hochwertigem Hardcoverbuch – das Ganze eingepackt in einen edlen Pappschuber. So schlägt man den öden MP3-Kopierern ein Schnippchen. Value for money.