Schmidt verschönert den Neujahrs-Tatort mit „Heart Shaped Gun“ – jetzt auch auf dem Album „Femme Schmidt“

VERÖFFENTLICHUNG» 14.12.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL»
  bei Amazon bestellen

Eine junge Sängerin aus Koblenz, gerade mal 22 Jahre alt, gewinnt mit ihrer Musik die Aufmerksamkeit des Londoner Musikproduzenten Guy Chambers, nennt sich fortan schlicht Schmidt und bringt das Lebensgefühl der 20er Jahre in die moderne Popmusik zurück. Nach ihrer EP „Above Sin City“ erschien im Mai 2012 das Debütalbum „Femme Schmidt“. Jetzt gibt es das Album in einer neuen Auflage, denn die Gute hat den Sprung zum TATORT geschafft. In „Scheinwelten“ (Das Erste, Neujahr, 20:15 Uhr) ermitteln die Kommissare Ballauf und Schenk zu den Klängen von Schmidts neuer Single „Heart Shaped Gun“ – einem Song, der die Atmosphäre des Films aufnimmt und hochpräzise in einen sehr eigenen, atemberaubenden und fesselnden Song überführt.

Den neuen Titel gibt es gleich in doppelter Aufmachung, denn neben der Single findet sich ein Duett mit Songwriter Robin Grubert. Hinzu gesellen sich das düstere „Black Roses“ und eine Live-Version des Klassikers „I Try“ (Macy Gray). Vier hervorragende neue Tracks also. Hätte auch für eine EP gereocht, doch man will vermutlich die Chance nutzen, das Album über die TV-Präsenz erneut in die Charts zu bugsieren. Auch okay.

Wer Schmidts Musik noch nicht kennt, erfreut sich zudem an den Songs der regulären Edition: „Shadowman“ versetzt den Hörer musikalisch in eine verqualmte Bar mit Schmidt als leicht verruchter Bardame neben dem Piano. „In The Photoboot“ und „Sin City“ entführen dann scheinbar in ein Cabaret der 20er – aber waren die Texte damals auch schon so anzüglich? Die Sängerin bleibt keinesfalls nur in der Vergangenheit hängen. „Stockings & Belt“ und „Defenceless“ sind großartige moderne Balladen, bei denen Schmidts eindringlicher Gesang für Gänsehaut sorgt. Das beschwingte „Boom Boom“ und das mitreißende „Do The Dada“ entziehen sich jeder eindeutigen stilistischen Zuordnung, und einen Brückenschlag schafft „Alain Delon“, bei dem Schmidt und Chambers die Titelmusik der TV-Serie „Persuaders“ als Grundlage für einem modernen Chanson nehmen.

Schmidts erstaunlich reife und charismatische Stimme hält dabei das Album durch alle Epochen und Genres zusammen und passt sich jedem Song perfekt an, von verführerisch wie in „Vodoo Eyes“ über herausfordernd verspielt in „Remote Control“ bis zu verzweifelt sehnsüchtig in „Stay“. Mein persönlicher Favorit ist allerdings die Piano-Ballade „Under My Heart“, die in ihrer Einfachheit unglaublich authentisch wirkt. Mit „Femme Schmidt“ hat die vielversprechende junge Künstlerin ein rundum überzeugendes Album abgeliefert, durchaus mit radiotauglichen Hits, aber insgesamt wohltuend anders und auf jeden Fall äußerst hörenswert!