„Schüchtern ist mein Glück“ – das Soloalbum von Peter Plate (Rosenstolz)

VERÖFFENTLICHUNG» 05.04.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Rosenstolz, die gemeinsame Band von Peter Plate und AnNa R., gilt bis heute als das erfolgreichste Pop-Duo Deutschlands. Allein die Tatsache, dass sie damit Dieter Bohlen und Thomas Anders auf die Plätze verweisen, sollte den Sympathiefaktor für Rosenstolz deutlich in die Höhe treiben. Im Dezember 2012 verkündete man allerdings eine längere kreative Pause auf unbestimmte Zeit, die jeder für eigene Projekte nutzen will. Es hagelt also Soloalben: Den Anfang macht Peter mit „Schüchtern ist mein Glück“, in Kürze folgt AnNa mit ihrer neuen Band Gleis 8.

Peter Plate hatte nicht nur rosige Zeiten im Umfeld von Rosenstolz. 2009 erkrankte er am Burnout-Syndrom und alle Termine des Duos mussten abgesagt werden. Textlich verarbeitet er diese Zeit in der autobiographischen Ballade „Ich steh noch“. Ein Song der typisch für die sehr persönlichen Aussagen ist, die Peter Plate in den Liedern seines Soloalbums trifft.

Bei Rosenstolz stand Plate oft im Hintergrund und überließ AnNa die wichtigen Gesangslinien. Nun jedoch kann er sich nicht mehr hinter dem Keyboard verstecken. Und man muss sagen: Seine Stimme erstrahlt in neuem Glanz. Vor allem, wenn man ihn allein mit Pianobegleitung hört, kann er seine volle Stärke ausspielen. „Blauer Sonntag“ ist ein gutes Beispiel dafür.

Als Co-Songwriter und Produzent ist Plates Lebensgefährte Ulf Leo Sommer mit an Bord, der diese Aufgabe auch schon für Rosenstolz inne hatte. In diesem Sinne ändert sich also nicht viel, doch die musikalische Ausrichtung wird breiter. Da gibt es treibenden Elektro-Pop auf „Elektrisch“, den melancholischen Song „Ausgang leider unbekannt“ mit orchestraler Note, den fröhlichen Optimismus-Versprüher „Sturm“ und das nachdenkliche „Bist du Ok?“.

Plates Vocals sind sicher nicht perfekt, aber sie zeugen von der Erfahrung, die er über die Jahre gesammelt hat. Und spannend wird es bei Experimenten wie „Gefallen in Love“, die er mit fast schon dilettantisch eingesungenen Refrainzeilen versieht und wo er mutig nach vorn prescht. Der Songwriter und Keyboarder hat sich frei geschwommen. Er zeigt, was er alleine drauf hat und wie er sein eigenes, musikalisches Abenteuer besteht: zunächst mal ohne schlimmere Blessuren.