Scornage – ReaFEARance … nett.

VERÖFFENTLICHUNG» 24.08.2012
BEWERTUNG» 6 / 9
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Die deutsche Band Scornage aus Aachen, welche schon seit langem zu einer der besten deutschen Thrash Metal Bands zählt, veröffentlichte am 24. August ihr nunmehr viertes Album ReaFEARance. Zu aller erst sollte man erwähnen, dass es sich hierbei nicht um 100% Thrash handelt, eine gute Dosis Deathmetal Vocals hat sich hier ebenso eingeschlichen, ebenso wie leicht moderner klingende Einflüsse.

Die rund 50 Minuten fassende Scheibe präsentiert sich zuerst als sehr ordentlich – es gibt direkt zu Anfang an das volle Brett, von dem die Band auch über die gesamte Spielzeit nicht abrückt, denn das Album bietet durch die Bank weg Songs die absolut nach vorne gehen. Auch der Sound tut sein übriges dazu, denn produziert wurde das Album von Andy Classen im Stage One Studio.

Stylistisch ist die Band meiner Meinung nach auf diesem Album irgendwo im Dunstkreis von Kreator und Co. anzusiedeln, bietet sie doch „typisch“ deutschen Thrashmetal – teilweise recht old-schoolig angehaucht, teilweise schleichen sich hier jedoch auch Riffs ein, die einen moderneren Einfluss vermuten lassen. Die Vocals wechseln abwechlungsreich zwischen typischen Thrash-Gekeife bis zu Death-Growls, sehr abwechslungsreich und gut eingesetzt. Einer der Pluspunkte dieses Albums.

Alles in allem eigentlich ein richtig gutes Album – das denkt man zumindest zuerst. Die Songs ansich sind alle recht gut gemacht, leider klingen sie meiner Meinung nach allerdings viel zu ähnlich. Eigentlich macht die Band auch alles richtig, doch leider immer viel zu … wie soll man sagen … „abgedroschen“ und nach Schema F. Sicher, wenn man sich innerhalb eines Genres bewegt, ist es natürlich sinnvoll sich irgendwo an „Standards“ zu orientieren, doch viele andere Bands schaffen dies dann doch um Längen besser und abwechslungsreicher.

Scornage aus Aachen

Auch vom Sound her ist das Album ganz gut, aber auch nicht wirklich das was man eigentlich von jemandem wie Andy Classen erwarten sollte. Der Sound ist ordentlich, aber teilweise zu übertrieben gemastert. Besonders im Thrash Bereich ist dies riskant, denn man hat hier schnell dein Eindruck, dass es der Band an Dynamik fehlt, was sicherlich nicht so ist. Die Gitarren ansich klingen genretypisch, ebenso wie die Vocals. Von der Tieftonfraktion hört man teilweise leider so gut wie garnichts – den Bass nimmt man kaum wirklich war, hier handelt es sich halt wieder um ein Album wo man denkt „Haben die überhaupt einen Bassisten dabei?“. Am Drumming ist technisch nichst auszusetzen, doch leider klingt es nicht wirklich wie aus einem Guß, die Snaredrum knallt nicht wirklich, und richtig „drücken“ kann die ganze Schießbude auch nicht richtig.

So etwas erwartet man allerdings bei einem Thrashmetal Album. Stellt man hier Vergleiche zu anderen Alben an, kann man dann nach ersten Begeisterungsanflügen später einfach nur „Nett!“ dazu sagen. Das ist aber zu wenig um wirklich punkten zu können. Stellt man dieses Album dann auch noch zB. einem Album gegenüber, welches in der gleichen Liga antritt – nehmen wir das 2010er Album „Plunging into Darkness“ von Fueled by Fire aus den USA – dann haben Scornage hiermit keine Chance. Daher bleibt mir dann am Ende leider nichts anderes übrig, als dieses Album als „besseres Mittelmaß“ zu bezeichnen. Kann man mal hören, aber wirklich im Ohr festsetzen kann sich über die Dauer keiner der 10 Songs. Schade, vielleicht schaffen es Scornage auf einem nächsten Album etwas eigenständiger und auffälliger zu klingen…