„Silver Age“ – die graue Eminenz Bob Mould rauscht entspannt durch die Boxen

VERÖFFENTLICHUNG» 05.10.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Etwa 38 Minuten genügen der grauen Eminenz Bob Mould, um jüngere Epigonen und Nacheiferer, oder nennen wir sie auch Bewunderer seiner musikalischen Schaffenskraft, von den unsterblichen Songs der Achtziger mit Hüsker Dü oder auch später dann mit Sugar, in gewissem Sinn so alt aussehen zu lassen wie dieser Silver Ager mittlerweile selbst mit grauem Stoppelbart und Halbglatze.

Das Flanellhemd könnte allerdings aus dem Kleiderschrank von Dave Grohl stammen, den Mould auch artig im Booklet dieser Platte extra speziell grüßt. Auf dem letzten Album von Grohl´s Foo Fighters „Wasting Light“ hatte Bob Mould schließlich auch seine weihevolle Salbung mit einem Gastauftritt (im tollen Song „Dear Rosemary“) erhalten. Im November letzen Jahres krönten einige der zuvor erwähnten Nachkommen im Geiste dieses Ur-Punks den Altmeister sodann auch mit einem Tribute – Konzert zu seinen Ehren. Dieses darf eine Galionsfigur des frühen Alternative – Punk – Indiependent – Powerpop – oder so was von – Rock dann auch entsprechend geniessen und mit seinem aktuellen Soloalbum „Silver Age“ kommt uns Bob Mould mit seinen Mitmusikern Jon Wurster (Superchunk) und Jason Narducy (Verbow) jetzt auch reichlich entspannt durch die Boxen gerauscht.

Mit dem ersten Gitarrenriff im Album Opener „Star Machine“ weiß der erfahrene Hörer schon wo hier der Hammer hängt, von den kurz darauf einsetzenden kraftvollen Vocals ganz zu schweigen. Er kann es einfach. Diese angekündigte melodieverliebte Rotzigkeit mit doch feinen Hooklines und doch daneben harten Gitarren klebt im Ohr, fräst sich in die hintere Ecke des Gedächtnisses. Da war doch was – Ende der Achtziger? Organische handgemachte Musik aus den Norden der USA, Indie – Discos, Slacker, Skater, wilde Haare, Hardcore und die typischen Klamotten.

Neben feinstem Punk – Verve mogeln sich auch heute auf der aktuellen Platte immer mal wieder schlingernde psychedelische Klangbilder und Gitarrenkaskaden, die sich aufbauen zu einer fast schon Art „Wall of Sound“ und die schmiegsamen wendigen Melodien sorgen dann für den notwendigen Popappeal. Frisch und unverbraucht klingen diese Songs, brettern rasant los, angetrieben von trockenem Schlagwerk, Mould´s routiniertem Gesang und einer hörbaren Unbeschwertheit von einem, der sich und der Musikwelt nichts mehr beweisen muss.

Nach all den mindestens mid – tempo getriebenen Songs gibt es in der Mitte mit dem Song „Steam Of Hercules“ so etwas wie eine Verschnaufpause, um später kurz vor dem viel zu frühen Ende der Scheibe (nein, das passt schon genau so bei dieser Musik) mit dem punkigen Kracher „Keep Believing“ nochmals alle Register zu ziehen. Wenn die alten Recken wie J. Mascis, Lee Ranaldo und jetzt auch Bob Mould so weiter machen mit ihren Soloplatten müsste dafür bald eine neue musikalische „Bewegung“ der Silver – Alternative – Surfer ausgerufen werden. Repeat !