Songwriter Gordon Giltrap und Ex-Yes-Keyboarder Oliver Wakeman mit ihrem verträumten Epos „Ravens & Lullabies“

VERÖFFENTLICHUNG» 22.03.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Willkommen in der Ratesendung „Ich trage einen großen Namen“. Zu Gast heute ist heute Oliver Wakeman – genau, da war doch was: Der Sohn von Rick Wakeman, dem britischen Prog-Urgestein, Keyboarder von YES, den wir mit wallendem Glitzercape in Erinnerung haben. Dessen Sohn Oliver ist konsequent in die Fußstapfen des Vaters getreten und war gar für zwei Jahre ebenfalls Keyboarder der großen Band, die inzwischen eine Reihe von Umbesetzungen hinter sich hat.

Im Prog hat sich der junge Wakeman inzwischen auch einen Namen gemacht. Legendär ist seine Zusammenarbeit mit Clive Nolan (Pendragon, Arena), der kurioserweise ebenso wie Wakemans Vater die Keyboards malträtiert und mit langem Mantel auftritt. Zusammen haben Nolan und Oliver Wakeman die Konzeptalben  „Jabberwocky“ (1999) und „The Hound Of The Baskervilles“ geschaffen.

Ein weiteres Beispiel für den Zusammenhalt der großen Prog-Familie ist die Tatsache, dass Benoit David, der umstrittene zwischenzeitliche Frontmann von YES, auf „From The Turn Of A Card“ die Vocals übernimmt. Wer jetzt allerdings ein großes sphärisches Album im Stil von YES erwartet, den kann ich direkt enttäuschen. Statt elegischer Keyboards gibt es klar gespielte Piano-Passagen. Und die Ausrichtung der meisten Songs ist durch und durch akustisch.

Zweiter Mastermind im Bunde ist der Gitarrist und Songwriter Gordon Giltrap. Er begann seine Karriere in den 60er Jahren in der Londoner Folk-Szene, im musikalischen Umfeld von Bert Jansch, John Renbourn und dem jungen Mike Oldfield. Mit 18 Jahren erhielt er von Transatlantic Records einen Plattenvertrag. Seinen Durchbruch erzielte er in den 70er Jahren, als er sich auf rein instrumentale Stücke konzentrierte. Später avancierte Giltrap immer mehr zum Singer-Songwriter und tourte ausgiebig mit seiner Gordon Giltrap Band durch UK.

Die Partnerschaft zwischen Giltrap und Wakeman beschert uns nun ein luftiges Album, das in weiten Teilen sicher als proggy gelten kann, dass sich aber dabei vor allem den leisen Tönen widmet, an vielen Stellen wie ein klassisches Klavier-Album klingt und insgesamt erzählenden Charakter hat. Es wirken mit: Jazz/Blues/Rock-Bassist Steve Amadeo, der Blues-Gitarrist Aynsley Lister, der Drummer Johann James (Treshold) und Sänger Paul Manzi (Arena). Produziert wurde die CD vom Threshold-Gitarristen Karl Groom.

Freut euch also auf eine unplugged-Mischung aus rockigen und progressiven Tönen, die immer wieder von kleinen Miniaturen am Klavier unterbrochen werden. Band und Sänger Paul Manzi harmonieren hervorragend. Und Oliver Wakeman schwimmt sich immer weiter vom Schatten des Vaters frei, indem er sich als Virtuose am Piano zeigt, ohne den YES-Stil zu kopieren. Die Gestaltung mit dem verträumten Fantasy-Cover und der Titel „Ravens & Lullabys“ geben die stillen, melodischen Motive vor. Eine starke Kooperation mit Musikern vieler Facetten des Prog-Umfelds.