Sportfreunde Stiller – New York, Rio, Rosenheim: Die Rückkehr in den Heimathafen

VERÖFFENTLICHUNG» 24.05.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Sehr entspannt blicken die drei Sportfreunde uns da vom Cover ihres neuen Albums „New York, Rio, Rosenheim“ entgegen. Die Pause von beinahe sechs Jahren scheint ihnen gut getan zu haben. Ist ja auch viel passiert um das letzt Album „La Bum“ herum. Einen Hit, der plötzlich wie ein One-Hit-Wonder aus allen Kanälen ertönt, muss man erst einmal verkraften. Die Sportfreunde taten das 2007 mit dem Album „La Bum“. Rein äußerlich schien es wieder ein Album zu sein, das sich mit ihrem Lieblingsthema Fußball beschäftigt, doch das war keineswegs so. Vielmehr war es eine Art Befreiungsschlag – weg von der Thematik, mit der jeder sie in Verbindung brachte – der leider zu früh kam. Denn die Sender und Party-DJs zählten weiterhin die Zahlenreihe „54, 74, 90…“ in ursprünglicher oder aktueller Kombination.

Nun also Versuch Nummer zwei. Sechs Jahre später. Das nächste Fußballfest in weiter Ferne. Trotzdem hat sich gar nicht so viel verändert. Die Songs sind frisch, haben Mitgrölcharakter mit frechen und intelligenten Texten. Damit knüpft die Band in alter Manier an ihre bisherigen Studioalben an. Wer nach der „MTV unplugged“-Session erneut die filigranere, akustische Seite des Trios erwartet hat, wird enttäuscht sein: Die Sportfreunde Stiller klingen wieder so, als treffe man sich an der Theke zum Absingen hymnischer Lieder.

Das Trio taucht aus dem Nebel auf und funkt erst einmal S-F-S. Dann erklingt die „Hymne auf dich“ wie ein Danklied an ihre treuen Fans. Es hat immer was von „Ein Kompliment“, wenn die Sporties solche Lieder singen. Ebenso wie bei „Applaus, Applaus“. Peter Bruggers Reibeisenstimme ist nicht gerade Schmusesong-kompatibel. Also singt er Ohrwürmer zum Partymachen. Gerne auch mal mit philosophischem Touch wie bei „Wenn Pferde schlafen“ oder selbstironisch wenn es heißt: „Wieder kein Hit“.

Mein Favorit ist die Ballade „Festungen & Burgen“, die auf ergreifende Weise die Unfähigkeit thematisiert, in Zeiten großer Verletzlichkeit Gefühle zu zeigen. Auch der nachdenkliche Abschluss mit „Wunder fragen nicht“ gefällt mir sehr gut. In Zeiten von Revolverheld und den Killerpilzen haben die Sporties ihren festen Platz in der neuen deutschen Rockszene – und werden ihn hoffentlich noch lange behalten. Wer wieder einige Tracks im Akustik-Format hören möchte, muss zur Deluxe Edition greifen. Hier gibt es Nachschlag im unplugged-Style.

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