Stefan Gwildis – Das mit dem Glücklichsein: Ein deutschsprachiges Jazzalbum mit der NDR Bigband

VERÖFFENTLICHUNG» 17.05.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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„Das mit dem Glücklichsein“ hat Stefan Gwildis anscheinend ganz gut drauf. Nach seiner Phase als Kabarettist und anschließend als Sänger und Gitarrist der Strombolis, gründete der Hamburger 1998 seine erste eigene Band und widmete sich ab 2003 der deutschen Neubearbeitung von Soulklassikern. Letzteres wurde sein bisher erfolgreichstes Projekt, das ihn auch in die Spitzengruppe der Albumcharts brachte. Er erhielt die Goldene Stimmgabel und füllte statt kleiner Clubs plötzlich die großen Hallen. Kein Wunder, wenn man einmal live erlebt hat, wie der Sänger den deutschsprachigen Soul auf die Bühne bringt und den gecoverten Songs (und mittlerweile immer mehr eigenen Kompositionen) Leben einhaucht.

Doch damit ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Stefan Gwildis hat Ideen und setzt sie um. Sein Album „frei händig“ (2012) bestand ausschließlich aus Eigenkompositionen, die den typischen Sound der 60er und 70er Jahre in sich tragen und einen Hauch von Motown in die Hansestadt brachten. Ein Jahr später hat er sich nun die NDR Bigband geschnappt und mit den neuen musikalischen Weggefährten ein astreines Jazzalbum aufgenommen.

In weiten Teilen handelt es sich um seinen ureigenen Blick auf das „Great American Songbook“ – mit eigenen Worten versehen, denn alle vertretenen Titel wurden textlich eingedeutscht und zum Teil in persönliche Geschichten umgewandelt. „The Windmills Of Your Mind“ wird zu „Fall nicht auf mich rein“, „Fly Me To The Moon“ bekommt als „Schieß mich doch zum Mond“ eine ganz neue Bedeutung, und der Titelsong „Das mit dem Glücklichsein“ leitet sich vom Klassiker „My Funny Valentine“ ab.

Allein drei Songs stammen von Cole Porter, andere beispielsweise von Van Morrison („Moondance“ / „Mondglanz“). Wie schon Hildegard Knef einst statt „I’v Got You Under My Skin“ mit erotischem Timbre „Du hast mich ganz in der Hand“ sang, verändert Gwildis diese Übersetzung nicht und wandelt in den Fußstapfen der großen Diva. Zudem gibt es auch eigene Stücke, nämlich die Vertonung des Gedichts „Abend“ (Heinz Erhardt), die nun „Der Einsame“ heißt, und die ganz neue Komposition „Was ist denn schon dabei“.

Jörg Achim Keller hat mit den Arrangements Großes geleistet und ein Bigband-Album aus einem Guss geschaffen. Balladen, Swing, verträumte Klänge, viel Melancholie – die Mischung stimmt und dürfte für Nostalgiker ebenso entspannt zu konsumieren sein wie für Freunde des modernen Wohlfühl-Jazz.