Steven Wilson: „Drive Home“ EP – der König Midas des Progressive Rock

VERÖFFENTLICHUNG» 25.10.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Mit „The Raven That Refused To Sing (And Other Stories)“ hat Steven Wilson ein Album geschaffen, das die meisten Progger hinter sich vereint. Es führte ihn in die Top 10 der deutschen Albumcharts – und das hat seit seligen Marillion-Glanzzeiten kein echtes Progressive Rock-Album mehr geschafft. Woran es lag? Wilson ist in allen Sparten unterwegs. Da sind zum einen natürlich Porcupine Tree – einst im Alleingang am Reißbrett mit gefälschter Bandbiographie entworfen – die sich vom exzentrischen Soloprojekt zur echten und authentischen Rockband der Gegenwart gemausert haben. Dann gibt es das Art-Pop-Duo No-Man gemeinsam mit Sänger Tim Bowness, welches schon lange vor der Gründung von Porcupine Tree Wilsons Liebe zum Ambient Sound begründete. Außerdem tritt der Tausendsassa mit dem israelischen Popstar Aviv Geffen unter dem Namen Blackfield auf und ist zudem als Produzent für Größen wie Anathema und Opeth tätig. In letzter Zeit hat er Alben von ELP, Jethro Tull und King Crimson remastert, was vielleicht erklärt, warum sich neuerdings deutliche Jazzrock- und Retro-Prog-Einflüsse in seinen Werken finden.

Was man auch denken mag: Steven Wilson ist Perfektionist. Der gute Klang geht ihm über alles. Kritiker merken an, dass die Konzerte so sauber klingen, dass man sich auch genau so gut die CD zu Hause auf dem Sofa anhören könnte. Durchaus richtig. Eine gewisse Sterilität mag live und im Studio vorhanden sein. Doch es ist nun mal diese große Qualität, die Freunde des Artrock aufhorchen lässt und aufgrund derer Scharen von Musikern und Musik-Interessierten zu seinen Jüngern zählen.

Man sollte meinen, dass nach dem letzten Meisterwerk eine Pause anstand. Doch der Tausendsassa steht niemals still. Zunächst war nur eine EP geplant, die Überreste der Raven-Session mit Videos und Outtakes mischen sollte. Im Mittelpunkt steht auch immer noch der Single-Edit von „Drive Home“, doch der Mehrwert, der sich anschließt, übersteigt EP-Ausmaße deutlich.

In 50 Minuten CD-Länge bekommen wir eine Orchesterversion von „The Raven That Refused To Sing“ und danach vier überaus starke Live-Titel vom Konzert in Frankfurt. Noch mehr dürften sich Fans über den gänzlich neuen Song „The Birthday Party“ freuen, der ein typisches Feuerwerk aus Wilsons Feder abbrennt. Dazu gibt es eine DVD mit zwei Videoclips und besagten vier Live-Songs. Und die 5.1-Surround-Jünger ergötzen sich am Audio-Content, der „The Birthday Party“ und die orchestrale „Raven“-Version im perfektionistischen Soundgewand bereit hält.

Nachdem die Euphorie um das Album inzwischen weitgehend verklungen ist, kann die „Drive Home“-EP es dem geneigten Fan durchaus wieder näher bringen. Momentan ist Wilson wie ein König Midas des Progressive Rock. Was er anpackt, wird zu Gold.

Steven Wilson Drive Home hier bestellen!