Sven Helbig verwöhnt uns mit kleinen Sinfonien für die Hosentasche: „Pocket Symphonies“

VERÖFFENTLICHUNG» 22.02.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Musik wird von der jüngeren Generation kaum noch in Form von Alben konsumiert. Nein – kurze Tracks müssen es sein. Was länger als vier Minuten dauert, wird dem verwöhnten Ohr schnell langweilig. Muss sich diesem Trend auch die sogenannte „klassische“ Musik anpassen? Ja, findet Sven Helbig, und nennt sein aktuelles Album kurzerhand „Pocket Symphonies“. Gewissermaßen Sinfonien für die Hosentasche.

Natürlich ist dieses Vorgehen mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Man soll nicht glauben, dass Helbig hier die Welt auf den Kopf stellen und genießerische Musikliebhaber im Schweinsgalopp durch die neue Art des Konsums treiben will. Der in Dresden lebende Komponist und Produzent reagiert vielmehr auf den Zeitgeist und bietet kurze Perlen auf, die unter einem einfachen Motto stehen, das sich schnell erfassen lässt: „Am Abend“, „A Tear“, „Frost“ und „Zorn“. Emotionale Momente, die im Songtitel und im Arrangement schnell zu erfassen sind.

Was er damit erreichen will? Kurze Stücke als Soundtrack für den Alltag. Für den Weg zwischen zwei U-Bahn-Stationen oder die Rast auf der Parkbank. Das nenne ich mal Anpassung an neue Hörgewohnheiten. Heute erscheint es uns noch blasphemisch, solche Schnipsel als Sinfonien zu bezeichnen. Doch wer weiß, wie das in einigen Jahrzehnten rückblickend bewertet wird? Helbig ist schließlich nicht irgendwer. Er fuhr schon mit den Pet Shop Boys das „Battleship Potemkin“ auf und produzierte für das Fauré Quartet „Pop Songs“. Ein umtriebiger Zeitgenosse.

Die zwölf kurzen Stücke bieten Pianomusik (in der Regel Klavierquartette) oder eine orchestrale Umsetzung. Das erinnert an die Filmmusik von Ludovico Einaudi und ist auch entsprechend einzuordnen: ein kurzes Aufblitzen von Ideen und Gefühlen – liebevoll in Klänge gepackt. Ein Wechsel aus schnellen und langsamen Passagen. Viel Dynamik auf kleinem Raum konzentriert. Und trotz der Stückelung wird man die Musik am Ende natürlich nicht in kleinen Einheiten konsumieren, sondern die „Pocket Symphonies“ als Einheit betrachten. Weg vom Klassik-Pop-Crossover, hin zu der bewährten Ausrichtung, schön getragen vom MDR Symphony Orchestra, seinem Dirigenten Kristjan Järvi und dem Fauré Quartet.