Taylor Hawkins fliegt mit „The Birds Of Satan“ zurück in die Siebziger

VERÖFFENTLICHUNG» 18.04.2014
BEWERTUNG» 9 / 9
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Taylor Hawkins scheint es irgendwie langweilig zu sein. Mitten im Aufnahmeprozess zum neuen Album seiner Stammkapelle überrascht der Foo Fighters-Schlagzeuger mit einer weiteren Nebenbeschäftigung. Nach Taylor Hawkins And The Coattail Riders eröffnet er nun zusammen mit Mick Murphy an der Gitarre und Willy Hodgen am Bass unter dem Namen „The Birds Of Satan“ eine zweite musikalische Solo-Baustelle. Hawkins selbst steuert dazu neben Gesang und Schlagzeug noch Klavier, Gitarre und Keyboards bei. Immerhin dauerten die Aufnahmen zum selbstbetitelten Debüt des Trios dem Vernehmen nach weniger als eine Woche und auch die Bandkollegen Dave Grohl, Pat Smear, Percussionist Drew Hester und Keyboarder Rami Jaffee hatten in dieser Zeit ausreichend Muße, um mal kurz im Studio vorbeizuschauen und ein paar Instrumentalparts beizusteuern. „The Birds Of Satan“ wurde von John Lousteau produziert, für den Mix war wiederum Drew Hester verantwortlich.

Von den insgesamt 34 Minuten Albumlänge nimmt alleine der Opener „The Ballad Of The Birds Of Satan“ schon fast zehn in Anspruch. Er beginnt – wie sollte es anders sein? – mit einer Drumeinlage. Beim Hören dachte ich zunächst ernsthaft mein CD-Player sei im Eimer und würde das Album ohne Pause zwischen den Songs abspielen. So sehr fräst sich „The Ballad Of The Birds Of Satan“ durch die Musik der vergangenen 30 Jahre. The Birds Of Satan zitieren nicht nur hier mit Queen, David Bowie, Sweet, Van Halen, Deep Purple und diversen Prog-Rock-Veteranen so ziemlich alles, was in diesen drei Jahrzehnten Rang und Namen hatte. Ein sehr geiler Auftakt, der sich mit dem Rockkracher „Thanks For The Line“ (gleichzeitig die erste Single) nahtlos fortsetzt. Dass Taylor Hawkins singen kann, hat er ja bei den Foo Fighters bereits hinreichend bewiesen („Cold Day In The Sun“). Seine Reibeisenstimme passt bestens zu solch dreckigen Rock’n’Roll-Nummern, wie ihn das Trio in „Pieces Of The Puzzle“, „Nothing At All“ und „Wait Til Tomorrow“ zelebriert. Die Chemie zwischen Hawkins und seinen beiden Mitstreitern Hodgen und Murphy scheint offensichtlich zu stimmen. Hier sind drei Musiker am Werk, die sich nicht zufällig getroffen haben, sondern hörbar jede Menge Bock auf das haben, was sie da tun. Dass es dabei auch gerne mal eine Spur ruhiger zugehen kann, zeigen die (Halb-)Ballade „Raspberries“ und der wunderschöne (und zugleich etwas abrupte) Abschluss „Too Far Gone To See“.

Schade, dass der Spass nach nur sieben Songs auch schon wieder vorbei ist. Jeder Takt und jede Note auf „The Birds Of Satan“ atmet den Geist der Siebziger Jahre, als Rockmusik noch authentisch und vor allem handgemacht war. Inzwischen kann es sich jeder dahergelaufene Möchtegern-Poser erlauben, einen Meilenstein wie etwa „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana ungestraft durch den Castingdreck zu ziehen. Da tut es doch gut nochmal einem klassischen Riff, einer Prise Psychedelic und einem kleinen Schuss musikalischen Wahnsinns zu lauschen.

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